Italiener begeht assistierten Suizid
Ein 44-jähriger Italiener hat sich selbst das Leben genommen, in dem er sich im Beisein seiner Familie und eines Arztes eine tödliche Injektion verabreicht hat. Dies gab der Verein Associazione Luca Coscioni bekannt, der sich für Sterbehilfe einsetzt und der den Mann in seinem jahrelangen Rechtsstreit bis vor das oberste Gericht unterstützt hatte.
Zehn Jahre gekämpft
«Ich kann nicht verhehlen, dass es mir leid tut, mein Leben zu beenden. Es wäre falsch und eine Lüge, wenn ich das behauptete, denn das Leben ist fantastisch und wir haben nur eines», sagte er vor seinem Tod.
Aber er sei physisch wie psychisch am Ende, kein bisschen selbstständig, komplett abhängig von anderen, «wie ein Boot, das auf dem Ozean treibt», sagte der Mann, der sich in seinem langen Kampf gegen die Institutionen «Mario» genannt hatte und erst jetzt seine Identität preisgab. Er sei stolz, ein Stück Geschichte mitgeschrieben zu haben. «Jetzt bin ich endlich frei, dahin zu fliegen, wohin ich will.»
Der frühere LKW-Fahrer konnte sich das Präparat dank einem speziellen Gerät verabreichen. Das Geld dafür hatte er über Spenden gesammelt. Der Mann hatte vor zehn Jahren einen schweren Verkehrsunfall und war seither unterhalb des Halses komplett gelähmt.
Ausnahmen erlaubt
Im katholischen Italien ist aktive und passive Sterbehilfe verboten. Das Verfassungsgericht aber hatte im Jahr 2019 entschieden, dass es unter strengen Auflagen Ausnahmen geben kann.
Es muss etwa klar sein, dass ein Patient nicht mehr geheilt werden kann, er von lebenserhaltenden Massnahmen abhängig ist, körperlich und seelisch unerträgliche Schmerzen erfährt, aber noch voll in der Lage ist, freie Entscheidungen zu treffen und deren Konsequenzen zu verstehen. (sda/ dpa)