Krieg im Nahen Osten
Israels Armee stoppt Gaza-Hilfsflotte – auch Schweizer an Bord
Die «Global Sumud Flotilla» umfasst 57 Boote. Ziel der Gaza-Hilfsflotte sei es gewesen, «einen humanitären Korridor einzurichten und Israels illegale Blockade des Gazastreifens zu durchbrechen», wie die Aktivisten der Flotte auf ihrer Website schreiben. Doch so weit ist es nicht gekommen.
Die israelische Marine sei über Nacht weiter gegen die Aktivisten vorgegangen und habe mehr als die Hälfte der Boote unter ihre Kontrolle gebracht, berichtete der israelische Rundfunk. Rund 250 Aktivisten seien bei dem Einsatz westlich von Zypern festgenommen worden.
Bereits am Montag hatte die israelische Marine laut den Organisatoren eine Gaza-Flottille vor Zypern gestoppt. Unter den Festgenommenen befinden sich nach Angaben der Aktivisten vier Schweizer, darunter die Lausanner Künstlerin Anne Rochat. Insgesamt acht Schweizerinnen und Schweizer sollen mit der Flottille Richtung Gaza aufgebrochen sein.
EDA: «Fahrlässig und auf eigene Verantwortung»
Aktuell habe das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) von den israelischen Behörden noch keine Informationen zur Situation der Schweizer Teilnehmenden erhalten, teilte es auf Anfrage von Keystone-SDA mit. Das EDA habe die zuständigen Behörden in Israel zur Achtung der Grundrechte der Teilnehmenden der Flotte wie auch zur Einhaltung des Völkerrechts und des Seerechts aufgefordert.
Die Schweizer Delegation sei vom EDA ausdrücklich auf die erheblichen Risiken hingewiesen worden. Schweizer Staatsangehörige, die sich trotz dieser expliziten Warnungen für eine Teilnahme an der Aktion entschieden hätten, «handeln fahrlässig und auf eigene Verantwortung». Gemäss Auslandschweizergesetz könne die konsularische Hilfe in solchen Fällen verweigert oder eingeschränkt werden.
Die Veranstalter der Protestaktion sprachen von einer «Entführung» der Aktivisten und teilten mit, zehn Boote seien weiterhin unterwegs in Richtung Gazastreifen. Der Einsatz der israelischen Armee 250 Seemeilen von Gaza entfernt gegen die Hilfsflotte sei «eine weitere illegale Aggression auf hoher See», hiess es in einer Mitteilung auf der Webseite der Organisation.
Israel: Keine Hilfsgüter auf Booten gefunden
Das israelische Aussenministerium sprach dagegen von einer Provokation und teilte mit, auf den Booten seien bisher keine humanitären Hilfsgüter gefunden worden.
Das israelische Nachrichtenportal «ynet» berichtete, die Aktivisten sollten nach ihrer Festnahme auf ein Schiff der Marine gebracht werden, auf dem sich ein «schwimmendes Gefängnis» befinde. Von dort sollten sie in die israelische Hafenstadt Aschdod gebracht werden. In der Vergangenheit waren internationale Aktivisten stets nach einer Weile wieder in ihre Heimatländer abgeschoben worden.
Die Aussenminister der Länder Jordanien, Indonesien, Spanien, Pakistan, Brasilien, Türkei, Bangladesch, Kolumbien, Libyen und der Malediven verurteilten in einer gemeinsamen Mitteilung «die erneuten israelischen Angriffe auf die Global Sumud Flottilla, eine friedliche zivile humanitäre Initiative, die darauf abzielt, internationale Aufmerksamkeit auf das katastrophale humanitäre Leid des palästinensischen Volkes zu lenken». (sda/ dst)