In den Gottesdienst reintwittern

Im bündnerischen Tamins findet am 8. Dezember der erste Twitter-Gottesdienst statt. Das heisst: Nachrichten und Fotos live aus der Kirche – und die Möglichkeit, in den sozialen Medien darauf zu reagieren. Kein Gag, sondern ein Experiment, sagt der Pfarrer.

In Tamins wagt man mit dem Twitter-Gottesdienst ein Experiment. Die Möglichkeit des Scheiterns ist dabei einkalkuliert. (Bild: Keystone / Monika Skolimowska)

Die Twitter-Community hat Pfarrer Robert Naefgen darauf gebracht: Warum nicht einen Twitter-Gottesdienst veranstalten? Denn einige User aus Graubünden kommentieren und liken ihre Beiträge nicht nur online, sie treffen sich auch regelmässig im realen Leben zu Pizza und Bier. Und beim Glühwein entstand dann die Idee eines Twitter-Gottesdienstes. Es sei also ein Bedürfnis der Gemeinde gewesen, so Naefgen.

Fürbitten vom Wohnzimmer aus

Deshalb wird ein Journalist nun die wichtigsten Etappen des Gottesdienstes vom 8. Dezember in den sozialen Netzwerken posten und auch Inhalte weitergeben, zu finden unter den Hashtags #Tamins19 und #HolyHashtag. Da könnte dann zum Beispiel stehen, dass nun die Fürbitten beginnen. Und wer zu Hause im bequemen Sessel sitzt, könnte kommentieren: Bitte betet für meinen kranken Bruder.

Dieser Kommentar geht nicht ins Leere, sondern er soll mit einem Beamer in der Kirche an die Wand projiziert werden. Der Pfarrer kann darauf eingehen und zum Beispiel für den Bruder beten. Die Kommunikation geht in beide Richtungen: Der Gottesdienst wird von aussen sichtbar und die drinnen, also die Gottesdienstbesucher, bekommen mit, was draussen abläuft.

Risiko des Scheiterns besteht

Pfarrer Robert Naefgen sieht darin den Reiz des Twitter-Gottesdienstes: Dass in ein traditionelles Geschehen plötzlich «hineingefunkt» werden kann. Er sieht es als spielerisches Experiment, mit dem man auch auf die Nase fallen könne. Vielleicht stösst der Gottesdienst auf wenig Interesse oder es gibt störende Kommentare. Der Verantwortliche werde auf jeden Fall ein Auge darauf haben und löschen, was nicht passe.

Trotz Twitter-Offensive: Am Inhalt des Gottesdienstes ändert Pfarrer Naefgen nichts. Aber er will eine neue Form ausprobieren – oder wie er es sagt, ganz im Jargon digital denkender Menschen: «Das Produkt reframen». Die Erwartungen hängt er dabei nicht zu hoch: Noch sei der Twitter-Gottesdienst ein zartes Pflänzchen.