Kultur

Coole Tipps für heisse Tage

Sie verbringen Ihre Zeit wegen der Sommerhitze lieber in der schattigen Stube? Dann sind die Film- und Serientipps der ref-Redaktion das Richtige: Vom Traditionshandwerk über Atomkatastrophen bis zur bitterbösen Satire.

Ein Film über das Traditionshandwerk Köhlerei klingt unspektakulär und nach simpler Heimatromantik. Was aber «Köhlernächte» aus dem Thema herausholt, ist im besten Sinne Balsam für die Seele. Im luzernischen Entlebuch wird Holzkohle auf traditionelle Weise hergestellt. Das heisst, man baut mit Holz einen riesigen Turm, einen sogenannten Köhler, deckt ihn mit Erde zu, zündet das Holz an und lässt es zu Holzkohle verbrennen. «Köhlernächte» erzählt die Geschichte eines Köhlers, einer Köhlerin und eines Köhler-Bub, die während fünf Wochen je einen Köhler aufbauen und ihn abbrennen lassen. Nicht nur entstehen dabei Bilder voller Poesie – es raucht, glüht und russt in die Nacht hinein – begleitet werden die Aufnahmen von einem psychedelisch-sphärischen Soundtrack. Die ausgewählten Köhler sind im besten Sinne des Wortes kernig. Es wird geflucht wie ein Rohrspatz, wenn der Köhler nicht richtig brennen will, gegessen wird Käse, Brot und Speck, runtergespült mit einem kräftigen Schluck Kafi-Schnaps. Die Protagonisten werden zum Glück nicht klischiert dargestellt, sondern authentisch. Und immer wieder gibt es auch lustige und skurrile Momente, bei denen man mit gutem Gewissen lachen kann. Köhlernächte ist ein meditativer Bildertrip.

Zu sehen auf: www.playsuisse.ch

Kaum etwas ist unheimlicher als Radioaktivität. Und das zeigt die neue HBO/Sky-Serie «Chernobyl» auf grausame wie auch brillante Weise. So ziemlich jeder weiss rudimentär, was in Tschernobyl in den 80er-Jahren passierte. Reaktorunfall, Atomkatastrophe, Verstrahlung, verseuchtes Gebiet, missgebildete Babys. Doch was genau am 26. April 1986 geschah, wissen die meisten wohl nicht. «Chernobyl» erzählt minutiös die Geschichte des grössten Atomunfalls dieser Zeit.

In insgesamt fünf Folgen wird beschrieben, wie es zur Explosion des Kernreaktors kam, wie man versuchte, Schlimmeres zu verhindern und welche Folgen das Unglück hatte. Die Serie lebt von vielen Momenten, bei denen einem der Atem wegbleibt. Vor allem dann, wenn man ahnt und dann auch sieht, was Radioaktivität den Menschen antun kann. Absoluter Horror.

Zu sehen auf: Sky.ch

«When They See Us» gibt einen Einblick ins New York der 80er- und 90er- Jahre, insbesondere in den Stadtteil Harlem, der vorwiegend von farbigen Menschen bewohnt wird. Nach der Vergewaltigung einer weissen Joggerin im Central Park werden fünf farbige Jugendliche verhaftet, die sofort unter Verdacht stehen, die Tat begangen zu haben. Für sie beginnt ein Albtraum, in dem sie systematisch dem Rassismus der Behörden ausgesetzt sind.

«When They See Us» zeigt eine USA, in der die Rassenfrage am Brodeln ist. Eine unrühmliche Rolle spielt dabei auch Ex-Präsident Donald Trump, der eine regelrechte Hetzjagd auf die Jugendlichen lostritt. Bemerkenswert ist nicht nur, wie feinfühlig die Geschichte der Miniserie (vier Folgen zu je 60 bis 90 Minuten) erzählt wird, sondern auch die schauspielerische Leistung der blutjungen Schauspielerinnen und Schauspieler.

Zu sehen auf: Netflix.com

Wer den Schaupsieler Jim Carrey nur aus Komödien kennt, hat etwas verpasst. Denn Carrey hat auch eine ganz andere Seite. Wie die aussieht, zeigt er in der atemberaubenden Dokumentation «Jim und Andy.» Im Jahr 1999 schlüpfte Carrey für den Spielfilm «Der Mondmann» (Originaltitel: «Man on the Moon») in die Rolle des Andy Kaufmann. Kaufmann war ein US-amerikanischer Entertainer und Performance-Künstler, der besonders in den 70-er und 80er-Jahre grosse Erfolge feierte. In der Dokumentation «Jim und Andy» blicken wir hinter die Kulissen und sehen, wie «Der Mondmann» entstanden ist. Das klingt nicht ganz so spannend. Doch «Der Mondmann» hat Carrey grundlegend verändert, wie er zugibt. Denn er spielte nicht nur Andy Kaufmann, wie er sagt, er wurde zu Andy Kaufmann. Und zwar so sehr, dass er nach den Dreharbeiten nicht mehr wusste, wer Jim Carrey überhaupt ist. Angereichert mit tiefgreifenden Interviews mit Carrey und Bilder aus seiner Biografie selbst geht «Andy und Jim» Fragen wie «Wer bin ich eigentlich?» oder «Gibt es ein Ich?» nach.

Zu sehen auf: Netflix.com

Die muslimischen Freunden Omar, Waj, Faisal und Barry leben in Sheffield und planen auf eigene Faust einen Schlag gegen die Ungläubigen. Zu diesem Zweck besuchen Omar und Waj ein Terrorcamp in Pakistan. Doch schon dort geht einiges schief. Schnell zeigt sich, dass die Hobby-Terroristen für den so genannten Heiligen Krieg alles andere als geeignet sind. Zu Hause in England geht die Pechsträne weiter. «Four Lions» ist eine bitterböse und schwarze Satire, die sich über angehende Dschihadisten lustig macht. Neben des brillanten Humors schafft es Regisseur Chris Morris auch immer wieder, die Tragik und Sinnlosigkeit hinter dem Dschihadismus zu zeigen. Dann, wenn eigentliche friedliche Menschen durch Propaganda und Verblendung zu Taten angestiftet werden, für die sie selbst einen hohen Preis zahlen.

Zu sehen auf: DVD auf orellfüssli.ch oder exlibris.ch erhältlich.