Historisches Haus soll Zusammenleben von Christen und Juden zeigen

Die Pläne für die Vermittlung des jüdisch-christlichen Zusammenlebens in den ehemaligen Aargauer Judendörfer Endingen und Lengnau sind einen Schritt weiter. Ein Trägerverein hat ein historisches Doppeltürhaus an zentraler Lage in Endingen gekauft.


Der Verein Doppeltür will das «einzigartige, historische Erbe sowie das Zusammenleben» von Juden und Christen in den Aargauer Dörfern Lengnau und Endingen im Surbtal sichtbar und erlebbar machen. Deshalb hat der Trägerverein ein historisches Doppeltürhaus an zentraler Lage in Endingen gekauft.

Im 18. und 19. Jahrhundert war die jüdische Bevölkerung der Schweiz gezwungen, sich ausschliesslich im Surbtal niederzulassen. In der Folge entwickelte sich ein Neben- und Miteinander von Christen und Juden. Trotz unterschiedlicher Religionen mussten die Menschen meistens in den gleichen Häusern zusammenleben. Die Häuser wiesen jedoch separate Eingänge auf.

Ab 1874 wieder Niederlassungsfreiheit

Die erworbene Liegenschaft, die in direkter Nähe zur Synagoge und zum Dorfzentrum liegt, soll eine wichtige Funktion im Vermittlungsprojekt «Doppeltür» einnehmen. Der Verein will es den Besuchenden ermöglichen, den damaligen Alltag von Christen und Juden in einem Doppeltürhaus erleben zu können. Die Gesamtkosten für das Projekt belaufen sich auf 16 Millionen Franken.

Nach ihrer Vertreibung aus den eidgenössischen Orten hatten sich die Schweizer Juden ab dem Jahr 1776 nur noch in Endingen und Lengnau niederlassen dürfen. Nach der Erlangung der Gleichstellung und der Niederlassungsfreiheit im Aargau 1874 wanderten viele jüdische Familien in die Städte ab. Heute leben nur noch wenige Juden und Jüdinnen in Endingen und Lengnau.

Die Judendörfer verfügen mit den beiden Synagogen, den Badehäusern und der dörflichen Topographie über ein reiches kulturhistorisches Erbe. Der zwischen den beiden Dörfern liegende jüdische Friedhof gilt als einer der schönsten der Schweiz. Seit 2009 besteht ein jüdischer Kulturweg, der über die Geschichte der Dörfer informiert. Der Weg zieht jedes Jahr mehrere tausend Besuchende aus der Schweiz und dem Ausland an. (sda/bat)