Hilfsbereitschaft in richtige Bahnen lenken

So wie in vielen Ländern Europas möchten auch in der Schweiz viele Menschen den Flüchtlingen helfen. Für das Hilfswerk Heks geht es darum, diese Hilfsbereitschaft richtig zu bündeln.

In einem Flüchtlingscamp im Nordirak versorgen Helfer der Heks-Partnerorganisation «Norwegian Church Aid» Flüchtlinge mit sauberem Wasser und Hygieneartikeln.
In einem Flüchtlingscamp im Nordirak versorgen Helfer der Heks-Partnerorganisation «Norwegian Church Aid» Flüchtlinge mit sauberem Wasser und Hygieneartikeln. (Bild: NCA)

«Grüezi. Mein Sohn, fast 8-jährig, bekommt im Moment aktiv die Flüchtlingssituation mit und möchte gerne aktiv helfen: mit den Kindern spielen, ihnen beim Deutsch lernen helfen usw..»

«Guten Tag. Ich habe einen Bastelkanal auf Youtube und möchte unbedingt etwas tun für die momentane schwierige Lage der Flüchtlinge, denn das macht mich sehr betroffen. Ich möchte ein Produkt auf meinem Kanal vorstellen, es verkaufen und über die Hälfte des Erlöses an Heks spenden.»

«Sehr geehrte Damen und Herren. Gerne würde ich einen Beitrag zur Unterstützung leisten. Da ich im Moment arbeitslos bin, will ich das aber nicht in Form einer Geldspende tun (muss leider jetzt selbst sparen), würde aber gerne auf andere Art helfen. Gibt es da eine Möglichkeit – etwas, was Sie gerade dringend brauchen?»


Solche und viele weitere Hilfsangebote gehen in diesen Tagen beim Hilfswerk der evangelischen Kirchen Schweiz (Heks) ein. Sie zeigen, wie sehr das aktuelle Flüchtlingsdrama die Menschen emotional bewegt und eine Welle der Solidarität ausgelöst hat. Die Hilfsbereitschaft ist riesig. Die Hilfswerke drohen überrollt zu werden, zumal es kurzfristig nicht einfach ist, sinnvolle Aufgaben für Freiwillige zu vermitteln.

Laut Heks-Direktor Andreas Kressler ist es eine neue Situation, dass Bevölkerung und Medien derart stark Betroffenheit zeigen und sich engagieren möchten: «Diese Hilfsbereitschaft der Leute ist eine riesige Chance. Aber sie sollte nicht nur eine kurzfristige Betroffenheit sein. Ein Engagement für die Flüchtlinge macht nur langfristig Sinn.»

Heks hat darum seit gestern eine Hotline eingerichtet. Über die Nummer 044 360 88 44 werden Anrufe entgegengenommen von Menschen, die sich – in welcher Form auch immer – engagieren möchten. Andreas Kressler: «Wichtig ist, dass betroffene Menschen sich überlegen, was sie wollen: Möchten sie spontan etwas spenden oder möchten sie sich lieber längerfristig engagieren?» Spenden werden gerne entgegengenommen, beim Wunsch nach einem persönlichen Engagement leistet Heks Beratungsdienste.

Heks in Nordirak, Libanon und Serbien tätig

Heks ist schon seit längerer Zeit in den vom aktuellen Flüchtlingsdrama betroffenen Gebieten tätig. Im Nordirak unterstützt es die Gesundheitsversorgung von über 30’000 Menschen, im Libanon das Flüchtlingslager Shatila in Beirut. Im Transitland Serbien ist geplant, das Engagement auszubauen, indem Familien mit kleinen Kindern Nahrung, Babyprodukte und Hygieneartikel erhalten sollen.

Mit den derzeit anwachsenden Spendengeldern kann somit die Nothilfe für Flüchtlinge sowohl in den Krisengebieten, auf den Fluchtrouten wie in der Schweiz ausgebaut werden.

Bestehende und neue Projekte

Wer sich hier in der Schweiz engagieren möchte, kann dies bei Heks am besten beim Projekt Neue Gärten tun. Das Bebauen von Gartenparzellen hilft Flüchtlingsfrauen bei der Integration. Sie erhalten so eine Tagesstruktur, eine sinnvolle Beschäftigung, können Kontakte mit der einheimischen Bevölkerung pflegen und die deutsche Sprache lernen.

Das Hilfswerk ist derzeit daran, weitere Einsatzmöglichkeiten für Freiwillige zu evaluieren. Angebote, den Flüchtlingen Nahrungsmittel oder Kleidung zu spenden bringen hingegen wenig. Der logistische Aufwand hierzu ist viel zu gross. Sinnvoller ist es, in den Krisengebieten oder in den Transitländern mit lokalen Partnern zusammen auf die neue Herausforderung durch das gewaltige Ansteigen der Flüchtlingsströme zu reagieren.

Für die Hilfswerke geht es zurzeit darum, die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung in möglichst sinnvolle, langfristig wirksame Bahnen zu lenken. Andreas Kressler gewinnt der dramatischen Situation auch ihre positiven Seiten ab: «Die Reaktion der Schweizer Bevölkerung ist ja keine der Angst, sondern vielmehr der Betroffenheit und Hilfsbereitschaft. Das ist angesichts der traurigen Situation für die Flüchtlinge die einzig richtige und aus unserer Sicht eine sehr positive Reaktion.»

 

Dieser Artikel stammt aus der Online-Kooperation von «reformiert.», «Interkantonaler Kirchenbote» und «ref.ch».

Stefan Schneiter/reformiert.info