Zwangsheirat

«Haus der Religionen» stellt Strafanzeige

Im Berner «Haus der Religionen» soll es zu Zwangsheiraten gekommen sein. Der Verein leitet nun rechtliche Schritte ein und erlässt einen Verhaltenskodex.

Muslimische Gemeinschaften sollen im «Haus der Religionen» in Bern Trauungen durchgeführt haben, ohne dass die Paare zivil verheiratet waren. Zudem sollen Ehen gegen den Willen der Beteiligten geschlossen worden sein. Von diesen mutmasslichen Zwangsehen berichtete das Schweizer Fernsehen SRF.

Nun hat die Institution auf die möglichen Vorkommnisse reagiert. Der Verein stellt Strafanzeige gegen Unbekannt, wie es in einer Medienmitteilung heisst. «Wir verurteilen jegliche Form von Gewalt, dazu gehören auch Zwangsheiraten», schreiben die Verantwortlichen.

Zudem müssen alle Religionsgemeinschaften, die sich im Haus bewegen und dort Veranstaltungen durchführen, einen Verhaltenskodex einhalten. Darin verpflichten sie sich, vor einer allfälligen Eheschliessung explizit Dokumente zu prüfen und die Kopien einer zivilrechtlichen wie religiösen Eheschliessung mindestens zehn Jahre aufzubewahren.

Zudem muss vor einer Trauung in einem Gespräch geklärt werden, ob bei beiden Ehepartnern ein freier Wille für die Trauung besteht. Dafür muss ein Vorbereitungsgespräch geführt werden, noch bevor die Unterlagen geprüft werden, wie aus dem Kodex hervorgeht.

Weiter wollen die Verantwortlichen verhindern, dass Unbefugte Zugang zu den Räumlichkeiten haben. Deshalb müssen die Religionsgemeinschaften eine Schlüsselliste führen und dokumentieren, wer Zugang zu den Räumen hat. Bei externen Vermietungen müssen sie prüfen, welche Veranstaltungen geplant sind und sicherstellen, dass es keine rechtswidrigen Handlungen gibt. Darüberhinaus nehmen die Verantwortlichen an Schulungen teil mit einer Fachstelle, die sich gegen Zwangsheiraten einsetzt. (jow)