Verstorbener Hans Küng «sprach vielen aus der Seele»
Rund 400 Personen aus Politik und Kirche sowie Freunde und Angehörige haben am Freitagabend in Luzern des Schweizer Theologen Hans Küng gedacht, der im April verstorben war. Die Jesuitenkirche an der Reuss war voll besetzt, der knapp zweistündige Gottesdienst wurde vom Schweizer Fernsehen live übertragen.
Bischof Felix Gmür würdigte den Kirchenkritiker Küng, bei dem er etwas Versöhnendes gespürt habe. Küng hatte sich eine «heitere Dankesfeier in ökumenischem Geist» gewünscht. Dieser hatte in Küngs theologischem Wirken einen besonderen Stellenwert und spiegelte sich auch in der Musikauswahl wider: Orgel-, Chor- und Orchestermusik stammte vom Lutheraner Johann Sebastian Bach, dem Katholiken Wolfgang Amadeus Mozart sowie den Juden Fanny und Felix Mendelssohn Bartholdy.
Neben der Musik wurden ausgewählte Texte und Gebete aus Küngs Feder vorgetragen. Nicht fehlen durfte dabei ein Auszug aus seinem Projekt Weltethos. Dieses sieht den Religionsfrieden als Voraussetzung für den weltweiten Frieden.
Selbstbild als Macher
«Hans Küng war einer, der niemandem nach dem Mund redete, aber vielen aus der Seele sprach», sagte Odilo Noti, Präsident der Herbert Haag Stiftung für Freiheit in der Kirche sowie der Stiftung Weltethos. Die Organisationen hatten die Gedenkfeier organisiert. Freiheit sei für Küng ein Lebensthema gewesen, erläuterte Noti.
Sich selber habe er mit Blick auf die Kirche als Renovierer gesehen. Ihm sei bewusst gewesen, dass kirchliche Ruinen zwar eine Faszination ausüben, man in ihnen aber nicht wohnen könne. «Die gegenwärtige, ruinöse Situation der Kirche gibt ihm recht», meinte Noti.
Konflikt nicht gescheut
Alois Riklin vom Weltethos-Stiftungsbeirat schilderte, wie der gegenwärtige Papst Franziskus Küng Respekt zollte. Er habe ihm vier handschriftliche Briefe geschickt, die er jeweils mit «Francesco» unterzeichnet habe. Diese vorbehaltlose Sympathie sei für Küng eine grosse Genugtuung gewesen. Sein Wunsch nach einer öffentlichen Rehabilitierung im letzten Weihnachtsbrief an den Papst, wurde ihm allerdings nicht mehr erfüllt.
Auch dem Bischof von Basel, Felix Gmür, der den Verstorbenen würdigte, blieb Küngs Sympathie für den aktuellen Papst nicht verborgen. Er habe sich gefreut, weil er bei Küng «etwas Versöhnendes» gespürt habe, sagte Gmür.
Küng sei der Auseinandersetzung nicht ausgewichen. Es habe ihm nicht behagt, dass einige seiner Antworten nicht ungeteilte Zustimmung fanden. Dass die Debatte über viele Fragen heute wiederaufgenommen werde, hätte ihn aber bestimmt gefreut. Zusammen mit dem deutschen Bischof Gebhard Fürst sprach Gmür das Totengebet für den Verstorbenen.
Umstrittene Ansichten
Küng war Querdenker in der katholischen Kirche, Professor und Autor, er starb am 6. April im Alter von 93 Jahren in seinem Haus in Tübingen (D). Dort, auf dem alten Stadtfriedhof, wurde er beigesetzt. Der gebürtige Surseer Theologe und Philosoph zählte zu den bekanntesten Kritikern der Amtskirche.
Küngs Thesen zu den Themen Unfehlbarkeit, Kirche und Gott führten 1979 zum Entzug der kirchlichen Lehrbefugnis. Gleichzeitig erlangte er dadurch grosse Popularität. Er wurde für sein Schaffen mit vielen Ehrendoktoraten hauptsächlich ausgezeichnet. (sda / jow)