Philosophie
«Götzen-Dämmerung»: Verschollene Nietzsche-Handschrift aufgetaucht
Die Klassik Stiftung Weimar hat eine lange verschollene Handschrift Friedrich Nietzsches (1844-1900) zurückerhalten. Das Dokument sei 2023 wieder aufgetaucht und für die öffentliche Sammlung zurückgewonnen worden, teilte die Klassik Stiftung Weimar mit.
Die vierseitige Werkhandschrift entstand den Angaben zufolge im Sommer 1888 in Sils-Maria GR. Sie enthalte Vorarbeiten zu Nietzsches Spätwerken «Götzen-Dämmerung» und «Der Antichrist». Eigenhändige Korrekturen in Bleistift und Tinte gäben Einblick in den Schreibprozess des Philosophen. Nietzsches Nachlass im Archiv zählt seit 2025 zum Unesco-Weltdokumentenerbe.
Um 1890 gelangte das Manuskript durch eine Schenkung von Nietzsches Hauswirtin an den Wiener Pianisten Moriz Rosenthal (1862-1946). Das Nietzsche-Archiv Weimar erwarb 1935 einen Grossteil seiner Handschriftensammlung. Der Industrielle Erich Lübbert (1883-1963) beteiligte sich an der Finanzierung und durfte 1936 ein Manuskript für sich auswählen. Seine Wahl fiel auf das nun zurückgekehrte Dokument. Nach Lübberts Tod blieb die Handschrift im Besitz seiner Familie. Erst 2023 tauchte sie wieder auf.
Der Direktor des Weimarer Goethe- und Schiller-Archivs, Christian Hain, bezeichnete die Neuerwerbung als aussergewöhnliches Zeugnis von Nietzsches Denken und Schreiben. Sie schliesse eine Überlieferungslücke und ermögliche neue Einblicke in die Entstehung seiner späten Werke. Finanziert wurde der Kauf laut Stiftung durch staatliche und private Unterstützung. (epd/ dst)