Der kurdischen Nachrichtenseite Rudaw zufolge war Baba Scheich wegen Nieren- und Herzproblemen in eine Klinik in Erbil eingeliefert worden. Dort sei der Geistliche schliesslich gestorben, wie sein Sohn Aidu mitteilte. «Sein Tod wird in der jesidischen Gemeinde ein grosses Vakuum zurücklassen», sagte er.
Die Jesiden leben vor allem im Norden des Iraks. Sie waren in der Vergangenheit als religiöse Minderheit immer wieder Diskriminierungen ausgesetzt. Als die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) 2014 die Region um das Sindschar-Gebirge im Nordirak überrannte, brachte sie Tausende jesidische Männer um. Frauen sowie Kinder wurden verschleppt und versklavt. Viele werden noch vermisst. Ein UN-Bericht kam zu dem Schluss, dass der IS einen Völkermord an den Jesiden begangen habe.
Die jesidische Friedensnobelpreisträgerin Nadia Murad, selbst Opfer des IS, twitterte, die Jesiden hätten mit Baba Scheich einen Leuchtturm verloren. «Der geistliche Anführer der Jesiden verkörperte unsere Werte der Weisheit, Güte und Toleranz.» Er habe jesidische Überlebende mit Liebe und Respekt behandelt. Baba Scheich, mit weltlichem Namen Churtu Hadschi Ismail, war seit 1995 geistliches Oberhaupt der Jesiden. (sda)