Berlin

Gedenken an Mauerbau vor 65 Jahren

An der Gedenkstätte in der Bernauer Strasse haben Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft am Donnerstag an die Opfer der deutschen Teilung erinnert.

Zum 65. Jahrestag des Mauerbaus ist bei einer zentralen Gedenkfeier in der Bernauer Strasse in Berlin-Mitte an die Opfer der deutschen Teilung erinnert worden. Rund 120 Gäste aus Politik, Kultur und Gesellschaft nahmen an der Gedenkveranstaltung teil, darunter Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (beide CDU) und Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos).

In ihrer Rede in der Kapelle der Versöhnung würdigte Klöckner die Mauertoten. So erinnerte sie etwa an Günter Litfin, der als erstes Opfer des Schiessbefehls gilt.

«Die Mauer teilte nicht nur die Bernauer Strasse, nicht nur Berlin. Sie teilte Deutschland, Europa. Und sie teilte die Welt», sagte die Bundestagspräsidentin. Die frühere Grenze sei heute fast unsichtbar, habe aber Spuren hinterlassen. Klöckner rief dazu auf, dass die Menschen in Deutschland einander zuhören sollten.

Damals hätten viele Ost-Berlinerinnen und -Berliner die Grenzschliessung begrüsst, schreibt der «Spiegel». Viele hätten sich durch das wirtschaftlich besser gestellte Westberlin ausgenutzt gefühlt. Das Magazin zitiert eine Studie von 2021, in der 600 ehemalige DDR-Bürgerinnen und -Bürger, die den Mauerbau erlebt hatten, dazu befragt wurden. 54 Prozent beurteilten ihn als «aus damaliger Sicht richtig».

Der «Spiegel» zitiert auch den Liedermacher Wolf Biermann, der als Jugendlicher mit einem «Kinderglauben an den Kommunismus» von West- nach Ostdeutschland ausgewandert war, wie er es in einem bref-Interview nannte.

Biermann erzählte dem «Spiegel», 1961 hätten er und seine Mitstudenten den Bau der Mauer als «Rettung in höchster Not» begrüsst. In seiner typischen Art ergänzte der Liedermacher: «Ich wollte nicht, dass mein Hoffnungsland DDR ausläuft wie ein durchgerosteter Eimer.» Doch bald wurde Biermann zum Kritiker der DDR-Führung, erhielt Berufsverbot, wurde 1976 ausgebürgert und fand sich plötzlich auf der anderen Seite der Mauer wieder.

An der ab 13. August 1961 gebauten Berliner Mauer wurden mindestens 140 Menschen bei Fluchtversuchen getötet. Sie fiel am 9. November 1989. (epd/ dst)

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