Kirchgemeinde Glarus Nord

Eine Fusion als Antwort auf den Behördenmangel

Seit bald vier Monaten ist die reformierte Kirchgemeinde Glarus Nord die grösste im Kanton. Die Fusion folgte auf ein Problem, das viele kleinere Gemeinden kennen: Die Suche nach Behördenmitgliedern gestaltete sich schwierig. Nun werden die Strukturen so angepasst, dass mehr strategische Führung möglich sein soll.
Blick auf den Norden des Kantons Glarus. In der Bildmitte sind die Ortschaften Näfels und Mollis zu sehen, die durch die Linth getrennt sind. (Foto: Alessandro Della Bella)

Bilten-Schänis, Kerenzen und Mollis-Näfels bilden seit Anfang 2026 die reformierte Kirchgemeinde Glarus Nord mit 3300 Mitgliedern. Entstanden ist sie aus dem gleichnamigen Kirchenkreis. «Dort hat man schon lange vieles gemeinsam organisiert», sagt Ursula Tolle, Präsidentin der neuen Kirchgemeinde, und zählt Anstellungen von Pfarrpersonen, Organisten oder die Organisation des Konfirmationsunterrichts auf. «Im Alltag ist deshalb nicht viel von der Fusion zu spüren.»

Der entscheidende Impuls für den Zusammenschluss findet sich im Behördenmangel. In allen drei Gemeinden sowie dem Kirchenkreis waren über kurz oder lang Sachverwalter im Einsatz.

Auch Tolle, ehemalige Präsidentin der reformierten Gemeinde Mollis-Näfels, hatte ursprünglich kein neues Amt in der Behörde im Blick. «Aber als ich sah, dass auch nach der Fusion eine Sachverwaltung droht, musste ich mich noch einmal zusammenreissen und mitarbeiten.» Weiterhin ist ein Sitz im siebenköpfigen Kirchenrat frei.

Exemplarisch für die Veränderung ist eine Anekdote vom ersten Gemeindefest Anfang März: «Wir verabschiedeten alle Ehemaligen, es war eine riesige Wand von Leuten. Als ich den neuen Kirchenrat vorstellte, stand da nur noch ein kleines Grüppchen.»

Kleine Gemeinden in Übergangsräumen

Die Situation in Glarus Nord scheint typisch für kleine Gemeinden zu sein, die sich in einem Umbruch befinden. Dafür finden sich auch Hinweise in einer aktuellen Untersuchung der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich, die Daten stammen vom Mai 2025. Die Analyse zu Vakanzen in den Behörden kommt zum Schluss, dass diese in Kleinstgemeinden (bis 900 Mitglieder) und kleinen Gemeinden (900 bis 2000 Mitglieder) am häufigsten sind. Bei Letzteren weisen über die Hälfte einen oder mehrere freie Sitze auf.

Ein grosser Teil jener Gemeinden mit Vakanzen liegt in der Agglomeration oder ist mehreren Ortschaften zugeordnet, liegt also nicht in den Zentren. «Dies deutet auf ein verbreitetes Problem in Übergangsräumen hin, wo die soziale Bindung oder Verfügbarkeit für kirchliches Engagement schwächer ausgeprägt sein könnte», heisst es im Bericht.

Mitverfasser Mathias Burri zählt mehrere Hypothesen dazu auf: Die starke operative Tätigkeit bei kleinen Gemeinden etwa, die oft ohne Verwaltung funktionieren. «Bei grösseren Gemeinden ist man stärker strategisch tätig, was für viele attraktiver ist.» Kleinere Gemeinden stünden generell unter Veränderungsdruck. «Das gibt Anlass, die Strukturen und Rollenverteilungen neu zu überdenken.»

So ist das auch in Glarus Nord. Während für die Reformierten vorderhand vieles gleich bleibt, läuft im Hintergrund ein intensiver Aufbauprozess. Dabei gibt es vor allem Administratives zu erledigen. «All die Versicherungen der alten Gemeinden zusammenzuführen war sehr viel Arbeit», sagt Tolle. Aktuell beschäftige man sich mit der Anpassung von Arbeitsverträgen, Reglementen und dem Aufbau einer professionellen Geschäftsstelle.

«Vorher haben sich die Exekutivmitglieder in ihrer Freizeit mit viel gutem Willen um die Verwaltung gekümmert.» Einzig der Kirchenkreis hatte eine Sekretärin angestellt. Eine einheitliche Handhabe sei so nicht entstanden. Glücklicherweise habe man nun eine Geschäftsstellen-Leiterin anstellen können, die zuvor schon in einer Kirchgemeinde gearbeitet hatte. Zudem erhalte man viel Unterstützung von der Landeskirche, die beratend zur Seite stehe.

Dadurch verändern sich auch die Rollenbilder der Kirchenrätinnen und -räte. Die Exekutive umfasst derzeit sechs Personen. «Es ist eine Mischung aus erfahrenen und neuen Leuten aus allen ehemaligen Gemeindeteilen», sagt Tolle.

Lokale Traditionen erhalten

Bestrebungen, eine gemeinsame Identität zu erschaffen, gebe es aktuell dennoch nicht, im Gegenteil: «D Gmeind isch wie ä Bluemästruss» lautet das Motto der neuen Gemeinde. Traditionen vor Ort sollen weitergepflegt werden.

Beim Biltener Fest zum Fridolinstag – mit Kerzen beladene Schiffchen im Dorfbrunnen symbolisieren die Überfahrt des Heiligen Fridolin von Irland ins Land Glarus – spende die Kirche weiterhin einen Beitrag an die Würste. In Mollis komme die Konfirmation einem Dorffest gleich, bei dem der lokale Musikverein auftrete. Für das kirchliche Leben zeigen sich Ortskommissionen zuständig.

Wichtig sei das auch, weil die ehemalige interkantonale Gemeinde Schänis-Bilten die Fusion nur knapp beschlossen hatte und eine Enklave bildet. «Sie dürfen nicht den Eindruck erhalten, dass wir sie vergessen.»

Zu all der organisatorischen Arbeit sind in der neuen Kirchgemeinde noch Kündigungen der Pfarrpersonen eingetroffen. Auch das hat mit dem Umbruch zu tun, der in diesem Fall zu wenig weit ging: «Mit ein Grund für die Abgänge war die dezentrale Herangehensweise der neuen Gemeinde», sagt Tolle. Der Rücklauf auf die Stellen sei bisher trotz Inseraten bescheiden. Tolle kann dem auch Positives abgewinnen. Die Rochade gebe der neuen Gemeinde Zeit, um die neuen Strukturen aufzubauen. «Diese sollen bereit sein, wenn eine neue Pfarrperson ihre Arbeit aufnimmt.»

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