Fristverlängerung für das Graffiti an der Offenen Kirche in St. Gallen

Bis 2021 soll das gemalte Gesicht auf der Fassade der Offenen Kirche in St. Gallen bleiben dürfen. Zurzeit liegt ein Baugesuch dafür auf.


Seit Monaten sorgt das haushohe Graffitibild an der Fassade der Offenen Kirche in St. Gallen für eine Kontroverse. Zuerst liess der Kanton verlauten, dass das Graffiti nach Ablauf der bewilligten zweijährigen Frist entfernt werden muss, weil es «keinerlei Respekt gegenüber dem historischen Gebäude» zeige.

Stadtblogger Marcel Baur startete daraufhin eine Onlinepetition und sammelte gut 2600 Unterschriften. Und der Verein «Wirkraumkirche», der die Offene Kirche am Unteren Graben betreibt, legte gegen den Entscheid Rekurs ein. Mit Erfolg, wie sich nun zeigt.

Laut dem St. Galler Tagblatt soll das Kunstwerk vorerst nicht übermalt werden und mindestens noch bis Ende 2021 bestehen bleiben. Das entsprechende Baugesuch liegt bis zum 21. August öffentlich auf.

Stadtblogger ist enttäuscht

Mit der befristeten Verlängerung sind jedoch nicht alle zufrieden. So schreibt Marcel Baur auf dem Onlineportal saiten.ch: «Das bedeutet nichts anderes, als dass «Wirkraumkirche» Ende 2021 wieder vor demselben Problem steht. Graffiti entfernen oder eine neue Bewilligung beantragen! Was soll dieses Spiel?» Er sei masslos enttäuscht. «Hätte irgendjemand sein Gesicht verloren, wenn man im zweiten Anlauf ein unbefristetes Gesuch bis zum Abbruch der Kirche bewilligt hätte? Wohl kaum!»

Baur spricht damit die Tatsache an, dass unklar ist, wie lange das Gebäude der Offenen Kirche überhaupt noch stehen bleibt. In der Zwischenzeit hat nämlich die St. Galler Stimmbevölkerung dem Bau des Uni-Campus am Platztor zugestimmt, wie das Tagblatt schreibt. Frühestens 2024 sollen die Bagger auffahren. Ob die Offene Kirche, die auf dem Bauareal steht, abgebrochen wird oder bestehen bleibt, wird erst nach Abschluss des Architekturwettbewerbs Ende 2021 klar sein.

Laut «Wirkraumkirche» habe man sich gewünscht, dass das Graffiti bis zur Umnutzung oder dem Abbruch bewilligt worden wäre – also bis 2024. Die involvierte Denkmalpflege habe jedoch auf eine befristete Lösung bestanden. Dieser Forderung seien die Betreiber der Offenen Kirche entgegengekommen. (bat)