Mittelmeer

Flüchtlingscamp auf Lampedusa wird geräumt

Berichte über die Zustände im Flüchtlingscamp auf Lampedusa hatten jüngst für Empörung gesorgt. Nun haben die italienischen Behörden mit der Evakuierung der Menschen von der Insel begonnen.

Das italienische Innenministerium hat am Samstag, 9. Juli, ein Marineschiff nach Lampedusa geschickt, um 600 Flüchtlinge von der Insel wegzubringen. Ziel war zunächst laut Medienberichten die sizilianische Stadt Porto Empedocle. Spätestens bis Dienstag sollen auch die weiteren Bewohnerinnen und Bewohner des Camps evakuiert werden.

Das Innenministerium reagierte damit auf Berichte über die Zustände in dem Lager. Demnach wurden in dem Camp, das für 350 Menschen vorgesehen ist, rund 1'800 Migrantinnen und Migranten gezählt. Am Freitag hatte die Ex-Bürgermeisterin von Lampedusa, Giusi Nicolini, auf Facebook aktuelle Bilder und ein Video von dem Camp veröffentlicht. Darauf sind Menschen zu sehen, die auf alten Schaumstoffmatratzen zum Teil im Freien liegen, völlig überfüllte Mülleimer und bergeweise Abfall in den Gängen. Unter den Leuten seien schwangere Frauen und Kinder. «Die Bilder könnten aus Libyen sein. Aber nein, das ist Italien», schrieb die Politikerin.

Flavio Di Giacomo vom Mittelmeer-Büro der UN-Organisation für Migration (IOM) schrieb am Samstag bei Twitter von einer «Schande auf Lampedusa». Rechte Politiker wie Lega-Chef Matteo Salvini und Giorgia Meloni von den Fratelli d'Italia werfen der Linken und der parteilosen Innenministerin Luciana Lamorgese Versagen vor.

Das Innenministerium in Rom registrierte bis zum Wochenende mehr als 30’000 Menschen, die in diesem Jahr mit Booten an italienischen Küsten – darunter auch Lampedusa – angekommen sind. Die Menschen wagen die oft gefährliche Überfahrt von Nordafrika aus, weil sie sich in der EU ein besseres Leben erhoffen. Viele werden von zivilen Rettungsschiffen aufgenommen, oft kommt es zu tödlichen Unfällen. (sda/dpa/no)