Filmtipp: «The White Crow»

«The White Crow» porträtiert den russischen Startänzer Rudolf Nurejew. Der Film zeigt eindringlich auf, gegen welche Windmühlen Nurejew zu kämpfen hatte in einem Land, das seine Künstler ständig unter Kontrolle wissen wollte.

«Ich bin in einem Zug zur Welt gekommen», sagt Rudolf Nurejew gegen Ende des Films und betont damit seine Ungebundenheit. Er kann überall zu Hause sein und überall tanzen. Damit schliesst sich der Kreis, denn Ralph Fiennes zeigt als erstes Bild die Geburt von Nurejew, 1938, in einem vollbesetzten Abteil der transsibirischen Eisenbahn.

An Metaphern, die den Freiheitsdrang Nurejews, aber auch seine Aussenseiterstellung aufzeigen, die sich seit frühester Kindheit in seinem Spitznamen «weisse Krähe» und später als offen schwul lebender Startänzer manifestiert, mangelt es im Film nicht.

Fiennes zeigt uns Nurejew (eindrücklich: der russische Balletttänzer Oleg Iwenko) als störrischen, fast grenzenlos selbstbewusst-arroganten und einsamen Wolf. Gleichzeitig hebt er aber auch Nurejews Lerneifer hervor, sein Kunstinteresse, das massgeblich auch sein Tanzen beeinflusste und seinen unermüdlichen Drang, den eigenen Stil zu verbessern.

«The White Crow» widmet sich vor allem zwei wesentlichen Einschnitten in Nurejews Leben: die Förderung durch seinen Lehrer Alexander Puschkin an der berühmten Leningrader Kirow-Ballett-Akademie und seine Emigration nach Frankreich, die ihn zum russischen Volksverräter machte. Virtuos verknüpft werden hier vielschichtige Charakterstudie, schön choreografierter Tanzfilm, feinfühlige Hommage und politische Aufarbeitung einer Sowjetunion, die auf ihre Künstler einen Besitzanspruch erhob, der ihnen die Luft zum Atmen nahm.

«The White Crow», UK /Frankreich /Serbien 2018, Regie: Ralph Fiennes, Besetzung: Oleg Iwenko, Adèle Exarchopoulos, Ralph Fiennes, Verleih: Praesens Film, www.praesens.com.

Kinostart: 29. August