Ex-BAG-Direktor Thomas Zeltner ist neuer SRK-Präsident
Thomas Zeltner war 18 Jahre lang Direktor des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). Er wurde am Samstag praktisch einstimmig von den Delegierten zum Nachfolger von Barbara Schmid-Federer gewählt. Der Vorstand des SRK, der sogenannte Rotkreuzrat, habe nach dem Rücktritt von Schmid-Federer das Präsidium sehr rasch wieder besetzen wollen, sagte Zeltner vor den Medien in Neuenburg. Er habe sich entschieden, diese Herausforderung anzunehmen. Seine langjährige Kenntnis des SRK als Verwaltungsratspräsident von Blutspende SRK Schweiz habe ihm den Entscheid erleichtert.
Er sei sehr froh, wegen deren Know How bisherige Ratsmitglieder an Bord zu haben, sagte der neue Präsident. Dazu gehören die beiden bisherigen Vizepräsidenten Hans Jürg Steiner und Matteo Pedrazzini. In den Rat Einsitz nehmen ausserdem drei bisherige und fünf neue Mitglieder. Diese würden weitere benötigte Kompetenzen einbringen.
Der Rotkreuzrat sei zwar für vier Jahre gewählt worden. Die Mitglieder hätten sich aber einverstanden erklärt, ihr Amt falls gewünscht nach einem Jahr zur Verfügung zu stellen. In dieser Zeit wollten sie die Profile der Rot-Kreuz-Gremien definieren. Sollte ihr Profil nicht den Anforderungen entsprechen, so seien die Mitglieder bereit, bei der nächsten ordentlichen Rotkreuzversammlung zurückzutreten.
Vertrauen wiedergewinnen
Das SRK müsse das Vertrauen der verschiedenen Organisation wieder gewinnen, sagte Zeltner. Dieses habe unter der Krise in den vergangenen Monaten gelitten. Mit dem nun wieder kompletten Rotkreuzrat könne diese Arbeit beginnen.
Wer noch fehle, sei eine Direktorin oder ein Direktor. Zur Zeit wird die Geschäftsleitung von der stellvertretenden Direktorin Karolina Frischkopf geführt. Ausserdem müsse eine Lösung mit dem ehemaligen Direktor Markus Mader gefunden werden. Dieser war im vergangenen Dezember abgesetzt worden. In der Folge traten auch vier Mitglieder des Rotkreuzrates zurück.
Seither herrschte beim Hilfswerk Unruhe. Beobachter sprachen von einem Machtkampf innerhalb des SRK. Anfang Juni gab dann die bisherige Präsidentin Schmid-Federer «aus gesundheitlichen Gründen» per sofort ihren Rücktritt bekannt.
Kritischer Bericht
Ein externer Untersuchungsbericht zu den Umständen rund um Maders Abgang hatte Versäumnisse auf Seiten des Rotkreuzrates geortet. Demnach lag dem Konflikt mit dem damaligen Direktor ein strukturelles Problem zugrunde: Wie in anderen, dezentral strukturierten Organisationen, sei es immer wieder zu Spannungen gekommen – insbesondere zwischen einem Teil der Kantonalverbände und der Geschäftsstelle.
Zugleich übten die Autoren des Berichts Kritik an der Präsidentin des Rotkreuzrates, der früheren Zürcher CVP-Nationalrätin Schmid-Federer. Sie bemängelten namentlich, dass dem Führungsgremium des SRK zur Abberufung Maders kein schriftlicher Antrag mit einer eingehenden Begründung vorgelegen habe.
Decharge erteilt
Die Delegierten nahmen diesen Bericht am Samstag «zur Kenntnis» und erteilten dem Rotkreuzrat die Decharge, sagte Zeltner. Es sei jetzt möglich, einen Schlussstrich zu ziehen.
Nach Angaben der stellvertretenden SRK-Direktorin Karolina Frischkopf hatte die interne Krise in den vergangenen sechs Monaten kaum finanzielle Konsequenzen. Bei den privaten Personen hätten sie keinen Rückgang der Spendenbereitschaft festgestellt. Lediglich die institutionellen Spender hätten vermehrt Gespräche verlangt. Aber sie hätten alle verstanden, dass das SRK Zeit benötigt habe. (sda/no)