Evangelische Frauen Schweiz fordern Frauenkandidatur für Bundesratswahl

Verschiedene Frauenverbände haben einen Appell an die Bundeshausfraktion der Freisinnig-Demokratischen Partei (FDP) gerichtet. Auch die Evangelischen Frauen Schweiz (EFS) fordern eine Frau auf der Kandidaten-Liste zur Bundesratswahl - egal, welcher Partei sie angehört.

Dorothea Forster, Präsidentin der Evangelischen Frauen Schweiz, an einer Medienkonferenz der Frauendachverbände im Juni 2017 in Bern.
Dorothea Forster, Präsidentin der Evangelischen Frauen Schweiz, an einer Medienkonferenz der Frauendachverbände im Juni 2017 in Bern. (Bild: Keystone/Thomas Delley)

Dass auf einer Kandidatenliste zur Bundesratswahl nur Männer stehen könnten, ist für die Frauenorganisationen Evangelische Frauen Schweiz (EFS), Bund Schweizer Frauenorganisationen Alliance F, Schweizerischer Katholischer Frauenbund sowie Schweizerischer Bäuerinnen- und Landfrauenverband nicht akzeptabel. Deshalb haben sie am 27. August einen öffentlichen Appell an die Bundeshausfraktion der FDP gerichtet.

«Frauen sind genauso fähig wie Männer. Wir sehen nicht ein, warum nicht gleich viele Frauen wie Männer im Bundesrat sitzen», sagt EFS-Präsidentin Dorothea Forster gegenüber bref. Ausserdem bestehe die Menschheit zur Hälfte aus Frauen. «Dies sollte auch in der Regierung adäquat abgebildet sein. Ein Bundesratsfoto, auf dem das Verhältnis zwischen den Geschlechtern nicht stimmt, zeigt ein falsches Abbild. Gerade auch für die Jungen», sagt Forster.

Jesus achtete Frauen

Dieses Missverhältnis mit einer Frauenquote zu korrigieren, befürwortet Forster allerdings nur, wenn es nicht anders geht. «Das sollte in der heutigen Zeit eigentlich gar nicht nötig sein. Die Männer sollten selbst auf die Idee kommen, dass Frauen gleichberechtigt vertreten sein müssen.» Auch aus christlicher Sicht sei eine starke Frauenpräsenz in der Politik wünschenswert. «Jesus hat Frauen geachtet und mit ihnen diskutiert, in einer Zeit, in der so etwas überhaupt nicht üblich war.»

Grundsätzlich würden die EFS Kandidatinnen des gesamten Parteienspektrums für die Bundesratswahl unterstützen. «Wir haben uns damals zum Beispiel für Eveline Widmer-Schlumpf starkgemacht. Wichtig ist uns, dass die Kandidatin fair ist und sich der Wahrheit verpflichtet fühlt», sagt Forster. Auch die Unterstützung einer Bundesratskandidatur der Waadtländer FDP-Nationalrätin Isabelle Moret kann sich Forster vorstellen. «Ich habe sie zwar nicht persönlich getroffen, jedoch schon viel Gutes über sie gehört. Politikerinnen sagen, dass sie die Arbeit sehr gut machen würde.»

Drei Kandidaten auf der Poleposition

Die FDP-Fraktion wird am 1. September bekanntgeben, mit wie vielen und mit welchen Kandidaten sie am 20. September zur Ersatzwahl von Bundesrat Didier Burkhalter antreten wird. Neben Isabelle Moret haben sich der Tessiner Nationalrat Ignazio Cassis sowie der Genfer Polizeidirektor und Wirtschaftsminister Pierre Maudet um eine Kandidatur beworben.

Didier Burkhalter hatte seinen Rücktritt Mitte Juni bekanntgegeben. Er habe «einfach Lust, etwas anderes zu machen», sagte der Neuenburger, der seit 2009 im Bundesrat sitzt und zuletzt das Aussendepartement führte.

 

Dieser Beitrag erschien erstmals in leicht gekürzter Form in bref, dem Magazin der Reformierten.