Antisemitismus

Erneuter Angriff auf orthodoxen Juden in Zürich

Ein 40-jähriger Kosovare hat am Montagabend einen 26-jährigen orthodoxen Juden angegriffen. Passanten konnten den Angreifer überwältigen.

Der 26-jährige Orthodoxe hatte gerade ein Haus in Wiedikon verlassen und lief auf dem Trottoir entlang, als der Angreifer unvermittelt auftauchte und mit den Fäusten auf ihn einschlug.

Als er sein Opfer festhielt, konnten mehrere Passanten eingreifen und den 40-Jährigen überwältigen. Der Mann äusserte sich weiter antisemitisch und beleidigend – selbst dann noch, als die Polizei bereits da war. Das Opfer erlitt beim Vorfall leichte Verletzungen.

Die Stadtpolizei konnte den Angreifer schliesslich festnehmen. Nach einer ersten polizeilichen Befragung wird der Beschuldigte der Staatsanwaltschaft Zürich zugeführt. Der Mann sei polizeilich bekannt, allerdings nicht wegen ähnlicher Delikte, teilte die Polizei auf Anfrage mit. Genauere Angaben machte die Sprecherin nicht. Ob er in Untersuchungshaft kommt, ist offen.

Schürfwunden an Körper und Hals

Gemäss Angaben des Israelitischen Gemeindebundes (SIG) erlitt das Opfer Schürfwunden am Körper und am Hals und steht unter Schock. Der Angriff sei keine Zufallstat gewesen, sondern habe sich gezielt gegen einen jüdischen Menschen gerichtet.

Damit reihe sich der Vorfall in eine ganze Serie antisemitischer Übergriffe ein, die in der Schweiz seit Oktober 2023, dem Angriff der Hamas auf Israel, stark zugenommen hätten. Im März 2024 hatte ein Jugendlicher mit tunesischen Wurzeln einen jüdischen Mann mit einem Messer attackiert.

«Es braucht eine klare gesellschaftliche Haltung und konsequentes staatliches Handeln gegen Antisemitismus in all seinen Erscheinungsformen, einschliesslich gewalttätiger Übergriffe», fordert der SIG. Jüdisches Leben müsse sich frei und sicher entfalten können – ohne Angst vor Anfeindungen oder Übergriffen.

«Antisemitische Denkmuster als Nährboden»

Auch die Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (GRA) verurteilte den Gewaltakt in einer Stellungnahme und wies daraufhin, dass breit akzeptierte antisemitische Denkmuster den Nährboden für Gewalt bildeten. «Wer antisemitische Narrative toleriert oder relativiert, trägt indirekt dazu bei, dass physische Übergriffe möglich werden.» (sda/ eba)

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