Emeritierter Weihbischof ist von Zwingli wenig beeindruckt

Ausser der Zürcher Bibel habe Zwingli nicht viel geschaffen, sagt Peter Henrici in einem Interview. Die reformierte Kirche habe Heinrich Bullinger mehr zu verdanken.


Der emeritierte Churer Weihbischof Peter Henrici hat in einem Interview mit kath.ch die Bedeutung Huldrich Zwinglis heruntergespielt. Zwingli habe im Kleinen politisch etwas bewirkt, aber ausser seiner Zürcher Bibel nicht viel geschaffen.

Die reformierte Kirche habe Heinrich Bullinger mehr zu verdanken, als Zwingli, der nur den Anstoss zur Reformation gegeben habe. «Bullinger war hingegen der Promoter, der als reformierter Theologe sehr lange gewirkt hat», sagt Henrici.

Nicht gegeneinander ausspielen

Dieser Einschätzung widerspricht Gergely Csukás, Oberassistent am Institut für Schweizerische Reformationsgeschichte der Universität Zürich. Man könne die beiden Reformatoren nicht gegeneinander ausspielen, sagt er auf Anfrage von ref.ch.

Zwingli habe mit energischem Handeln Platz geschaffen für sein reformatorisches Wirken.«Die reformatorische Erneuerung in Zürich lässt sich im Wesentlichen auf Zwinglis Impulse zurückführen», sagt er. Zwinglis theologischer Einfluss wird seiner Meinung nach zudem unterschätzt. «Er wirkte auf seinen Nachfolger Bullinger, aber ebenso auf die Berner Reformation und auf Calvin in Genf.»

Henrici habe allerdings recht mit seiner Einschätzung, dass Bullinger im europäischen Protestantismus sehr einflussreich gewesen sei. «Bullinger ist im reformierten Bewusstsein leider kaum präsent, er ist ausserdem noch nicht so gut erforscht wie Zwingli», bedauert Csukás. Er teile Henricis Meinung, dass aus reformierter Sicht Bullinger als Theologe und Ökumeniker noch zu entdecken sei. (pd)