EKS-Synode

Evelyn Borer klar im Amt bestätigt

Evelyn Borer bleibt Synodepräsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS). Die Synodalen haben sie einstimmig wiedergewählt. Borer will sich in der nächsten Legislatur vermehrt kirchlichen Themen und Grundsatzfragen zuwenden.

Die alte Präsidentin ist die neue Präsidentin: Die Solothurnerin Evelyn Borer ist wiedergewählt als Synodepräsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz. (Bild: Désirée Good)

Evelyn Borer ist die erste Synodepräsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS), die eine zweite Amtszeit absolviert. Borer ist an der EKS-Synode in Bern mit einem Glanzreslutat wiedergewählt worden. Sie erhielt 67 Stimmen ohne Gegenstimme – sechs Wahlzettel waren leer oder ungültig. Das Novum der Wiederwahl möglich gemacht hat das neue Synodenreglement, das seit vergangenem Jahr gilt.

Borer, die auch Synodalratspräsidentin der reformierten Kirche Kanton Solothurn ist, bedankte sich für das ausgesprochene Vertrauen. Dank sprach sie auch den beiden bisherigen Vizepräsidenten Christian Miaz und Catherine Berger aus, die ihr Amt Ende 2022 niederlegen. «Wir haben von Anfang an als Team gearbeitet und Entscheidungen gemeinsam getroffen», sagte Borer.

Lob für Borer

Miaz tritt zurück, seine Kollegin Berger wurde an der EKS-Synode im Juni in den EKS-Rat gewählt. Berger, die wie Borer zur Nordwestschweizer Fraktion gehört, lobte Borer als geradlinige Person, die das Amt auf professionelle Art und Weise und mit der nötigen Prise Humor ausübe.

Pfarrerin aus dem Kongo ausgezeichnet

Die Synode der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) dauert insgesamt zwei Tage. Am zweiten Tag debattiert die Synode unter anderem das Budget und den Finanzplan. Am Abend des ersten Tages ist ein Preis verliehen worden: Rebecca Mutumosi Mfutila aus der Demokratischen Republik Kongo ist für ihr Lebenswerk mit dem Sylvia-Michel-Preis ausgezeichnet worden.

Mutumosi Mfutila wurde 2014 als erste Frau der Communauté Evangélique ordiniert und sei damit ein wichtiges Vorbild für viele Frauen im Kwango-Gebiet im Kongo. Die Pfarrerin organisiert zudem Schulungen für junge Frauen. Mutumosi Mfutila bezeichnete den Preis als Ansporn, sich weiterhin für die Anliegen der Frauen einzusetzen.

Der Sylvia-Michel-Preis wird seit 2009 an Personen vergeben, die Frauen in kirchlichen Führungspositionen fördern. Er ist mit umgerechnet 5000 Franken dotiert. Die Aargauer Pfarrerin Sylvia Michel wurde 1980 zur Präsidentin der Landeskirche Aargau gewählt und war die erste Frau in Europa in einer kirchlichen Leitungsfunktion.

Die EKS vergibt den preis gemeinsam mit dem Verein der Präsidentinnen und Vizepräsidentinnen der reformierten Kirchen Schweiz und der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen. (pef)

An die Stelle von Miaz und Berger treten ab kommendem Jahr Gilles Cavin (Wallis, französischsprachig) und Florian Schubert (Neuenburg, zweisprachig). Cavin wurde mit 67, Schubert mit 71 von 73 gültigen Stimmen gewählt. Synodepräsidentin Evelyn Borer sagte, sie freue sich darauf, die Arbeit mit dem neuen Vizepräsidium fortzusetzen.

Die Mitglieder der Geschäftsprüfungskommission, der Nominationskommission und der Gesprächssynode wurden still gewählt. 

Zur Ruhe kommen

Die erste Amtszeit von Evelyn Borer war stark geprägt von der Causa Locher. Der ehemalige Ratspräsident der EKS, Gottfried Locher, trat 2020 aufgrund von Missbrauchsvorwürfen zurück. Die Anschuldigungen wurden von einem externen Anwaltsbüro geprüft. Eine Synodenkommission kam zum Schluss, Locher habe eine ihm unterstellte Mitarbeiterin mutmasslich sexuell, psychisch und spirituell missbraucht (ref.ch berichtete).

«In den letzten zwei Jahren haben wir viel Zeit für die Aufarbeitung gebraucht», sagte Borer im Gespräch mit ref.ch. Nun möchte sie sich wieder grundlegenderen Fragen widmen. «Für was stehen wir?» Evelyn Borer sieht sich bei dieser Diskussion in der Rolle der Moderatorin.

Eine weitere Herausforderung der nächsten Amtszeit wird laut Borer die Finanzplanung sein. Während der Rat mit demselben Aufwand wie in den vergangenen Jahren rechne, seien die Einnahmen der Mitgliedskirchen rückläufig. «Das geht nicht auf», sagte Borer. Sie wünscht sich deshalb eine Diskussion über die Aufgaben der Kirche.