Humanitäre Krise

EKS gibt Druck nach

Die Kritik aus den eigenen Reihen wurde immer lauter: Pfarrerinnen und Hilfswerke forderten, die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz (EKS) solle sich zur Lage in Afghanistan äussern. Nun hat die EKS dem Bundesrat geschrieben, und sie spendet.

Das IKRK hilft in Afghanistan vor Ort. Die Aufnahme stammt von 2017 aus Kabul. (Bild: Keystone/ Jawad Jalali)

Die Notlage in Afghanistan ist am ersten Tag der ausserordentlichen Synode der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) ein präsentes Thema gewesen. Andreas Nufer, Pfarrer und Präsident des Vereins «Migrationscharta», hat der EKS am Sonntagnachmittag gemeinsam mit in der Schweiz lebenden Afghaninnen und Afghanen eine von 1113 Personen unterschriebene Onlinepetition übergeben.

Darin wird gefordert, dass sich die Kirchen solidarisch zeigen. Als Seelsorgerin habe sie im Berner Bundesasylzentrum täglich mit Afghaninnen und Afghanen zu tun, sagte Béatrice Teuscher, Pfarrerin an der Berner Friedenskirche. Diese seien verunsichert und erzählten von grosser Not. «Die Kirchen tun viel, um diesen Menschen zu helfen. Man kann aber noch mehr tun, insbesondere jetzt», betonte Teuscher.

Famos: «Ohnmacht aushalten»

Tatsächlich wühlten die Ereignisse in Afghanistan auf, sie machten fassungs- und ratlos, sagte EKS-Präsidentin Rita Famos. «Es dreht uns das Herz im Leibe um.» Die Kritik, die EKS habe zu lange geschwiegen, habe man gehört. Bevor man vorschnell den Mahnfinger erhebe, habe man sich ein Bild über die Situation machen wollen. Unter anderem habe man eine Vertreterin des Uno-Flüchtlingshilfswerks eingeladen für einen Austausch.

«Besser als Aktivismus ist manchmal, Ohnmacht schweigend auszuhalten», sagte Famos. Es gebe auch andere humanitäre Krisen, etwa in Haiti, im Libanon, am Mittelmeer, und nicht zuletzt die Corona-Pandemie. Die Möglichkeiten der Kirche zu helfen, seien beschränkt. Es gelte abzuwägen, wo man die Ressourcen am effizientesten einsetze. Man müsse auch an diejenigen denken, die sich vor grossen Flüchtlingsströmen fürchteten. «Als Kirche sind wir mitverantwortlich dafür, an diesen Fragen nicht auseinanderzubrechen.»

Vorstoss lanciert

Die EKS handelt nun aber auch ganz konkret. Sie spendet 10 000 Franken an ein Programm des Internationalen Roten Kreuzes (IKRK), das Afghaninnen und Afghanen vor Ort unterstützt. Mitgliedskirchen sollten Kollekten zugunsten des IKRK prüfen, bat Famos weiter. Der EKS-Rat habe ausserdem letzte Woche dem Bundesrat einen Brief geschrieben und darin unter anderem ein Moratorium für Zwangsrückführungen gefordert.

An der Fortsetzung der ausserordentlichen Synode am Montag debattiert die EKS noch einmal über das Thema. Dominik von Allmen, Delegierter der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn, reichte eine Resolution ein, über die beraten wird. Die Anliegen des Vorstosses decken sich mehrheitlich mit den am Sonntag formulierten EKS-Forderungen.