Mit gewaltiger Stimme gegen die Gewalt

Mit der Gründung des «Karl Barth-Zentrums für reformierte Theologie» rücken Werk und Leben des Schweizer Theologen ins Bewusstsein, der mit seinem Denken wie kein zweiter die Theologie des 20. Jahrhunderts geprägt hat.

Karl Barth.
Ein provozierender Theologe: Karl Barth. (Bild: Karl Barth-Archiv)

Karl Barth gilt als einer der bedeutendsten Theologen des 20. Jahrhunderts. Das Wissen über ihn zu mehren, ist eines der Ziele, die das neue Zentrum verfolgt, «auch weil seine Theologie in unseren Tagen aktueller denn je ist und uns etwas zu sagen hat», so Georg Pfleiderer, Basler Professor für Systematische Theologie und Ethik.

Er erinnert an den 70. Gedenktag zum Ende des Zweiten Weltkriegs. «Karl Barth besass Zivilcourage, die man sich heute vermehrt wünschen würde. So verweigerte er an der Uni Bonn den Eid auf Hitler und verlor deshalb seine Stelle. Er war Mitbegründer der ‹Bekennenden Kirche›, rief zu Widerstand, ja Gewalt gegen Gewalt auf, und sprach einer Kirche, die schweigt und zuschaut, das Existenzrecht ab.» Karl Barth war es auch, der Dietrich Bonhoeffer aus London in seine Heimat zurückrief, weil er dort gebraucht werde.

Neue Forschungszusammenarbeit

Am 22. Mai erhält Basel ein «Karl-Barth-Zentrum für reformierte Theologie». Nach mehrjähriger Vorarbeit haben sich die Karl-Barth-Stiftung und die Theologische Fakultät der Universität Basel zusammengefunden: Die Neugründung dient der Zukunft des Archivs und der Edition der Werkausgabe – und ebenso dem Ansinnen, Karl Barths Werk in Wissenschaft und Lehre wie auch in der Öffentlichkeit noch intensiver zu fördern und bekannt zu machen.

«Vom neuen Zentrum wird auch die Zusammenarbeit mit internationalen Partnerorganisationen profitieren», freut sich Georg Pfleiderer. Die Finanzierung der Editions-Arbeit durch den Nationalfonds sei bis mindestens 2017 gesichert, die Uni müsse sich aber ebenfalls engagieren.

Was würde Barth heute sagen?

Und was hätte Karl Barth heute zu sagen? Georg Pfleiderer fallen zwei Bereiche ein, zu denen Karl Barth Stellung bezogen hätte. «Barth warnte schon damals vor einer Ökonomisierung der Kirche. Ein Thema, das heute nicht minder aktuell ist. Und Karl Barth setzte sich für eine fürsorgliche Kirche ein, die Abbild des liebenden Gottes ist.»

Was Karl Barth diesbezüglich zum Flüchtlingsdrama auf dem Mittelmeer gesagt hätte, kann Georg Pfleiderer nur vermuten: «Er hätte das Elend der Flüchtlinge ins Zentrum gerückt und den Umstand, dass diese Menschen für eine bessere Zukunft ihr Leben riskieren. Im Bewusstsein, seine Grenzen zu kennen, hätte er zu selbstloser Hilfe aufgerufen und den Finger auf die Quelle des Elends gelegt: die unhaltbaren Zustände in den Herkunftsländern, an denen Europa im ambivalenten Sinne ‹Teilhaber› ist.»

Aussagen, die provozieren können. Und genau das tat Karl Barth, hält Georg Pfleiderer fest: «Er war einer, der wusste, dass theologische Wahrheit immer wieder neu erstritten werden muss und hat dies konsequent gelebt.» Deshalb steht die Eröffnung des Zentrums bewusst unter dem Motto «Provozierende Theologie». (Franz Osswald/kirchenbote-online.ch)

Dieser Artikel stammt aus der Online-Kooperation von reformiert., Interkantonaler Kirchenbote und ref.ch