«Ein guter Film gibt keine endgültigen Antworten»

Die Zürcher Kirchen werden am 5. Oktober am Zurich Film Festival (ZFF) einen eigenen Filmpreis verleihen. In der Jury sitzt auch der reformierte Kirchenrat Bernhard Egg. Was ihm bei der Bewertung wichtig ist und welchen Film man unbedingt gesehen haben muss, erzählt er im Interview.


Herr Egg, wann waren Sie das letzte Mal im Kino?
Das darf ich fast nicht sagen, aber es ist lange her. Wahrscheinlich ein paar Monate. Ich habe es zeitlich einfach nicht geschafft – und das obwohl ich eigentlich sehr gerne ins Kino gehe. Man ist viel intensiver im Film drin als beispielsweise zu Hause. Einer der letzten Kino-Filme, der mir in guter Erinnerung geblieben ist, ist «Bienvenue chez les Ch’tis». Er ist einer meiner Lieblingsfilme. Den sollte man unbedingt im Originalton schauen.

Welchen Film haben Sie denn zuletzt gesehen?
Zusammen mit meinem Sohn alle drei Teile von «Der Pate». Wir schauten die Trilogie zu Hause. Junge Erwachsene gehen ja heutzutage leider nicht mehr oft ins Kino.

Was hat Sie gereizt, in der Jury des Filmpreises der Zürcher Kirchen sitzen zu wollen?
Nun, es ist sicher eine einmalige Chance, als Abgeordneter des Kirchenrates so etwas machen zu können. Ich bin ja nicht dabei, weil ich besondere Erfahrungen in der Filmbranche gesammelt habe. Doch mich reizt der Film als Medium. Mitbestimmen zu können, welcher Film prämiert wird, finde ich wahnsinnig spannend.

Wie muss man sich eigentlich das Auswahlverfahren vorstellen?
Wir werden in den nächsten Tagen alle zwölf nominierten Filme schauen. Das wird intensiv. Ich werde mir sicher Notizen machen. Man muss ja schon begründen können, warum einem der Film nun gefällt und warum nicht.

Was muss ein Film haben, damit er Sie als Jurymitglied überzeugt?
Er muss eine gute Geschichte haben und mich reinziehen. Nüchterne Dokumentationen berühren mich beispielsweise nicht so. Er muss mich zudem zum Nachdenken anregen. Er soll nicht gleich eine endgültige Antwort liefern.

Werden Sie beim Bewerten durch eine reformierte Brille auf die Filme schauen?
Ich versuche natürlich die Filme aus einer reformierten Perspektive zu beurteilen. Ich schaue darauf, ob der Film einen gewissen Bezug zu unseren christlichen Grundwerten hat. Einer der reformatorischen Grundsätze ist ja, dass jeder selber die Bibel lesen und sich so ein Urteil bilden soll. Das könnte man auch über Filme sagen. 

Können Sie sich an einen Film erinnern, der Sie selber sehr bewegte?
Sicher die ganzen Filme über den Vietnamkrieg. Dazu gehört auch «Full Metal Jacket». Den habe ich etwa drei Mal gesehen. Er zeigt die ganze Sinnlosigkeit des Krieges gut auf. Ein starker Film. (bat)

Bernhard Egg, 58, ist Kirchenrat der reformierten Kirche des Kantons Zürich. Er sitzt unter anderem zusammen mit Zeno Cavigelli, Synodalrat der Katholischen Kirche im Kanton Zürich, und Charles Martig, Direktor Katholisches Medienzentrum Zürich, in der Jury des Filmpreises der Zürcher Kirchen. Der Preis wird am 5. Oktober im Rahmen des Zurich Film Festivals verliehen, das vom 28. September bis 8. Oktober stattfindet.