Abstimmung

«Ehe für alle» bleibt auf Kurs

Hätte die Schweizer Bevölkerung bereits am 5. September abgestimmt, wäre die «Ehe für alle» angenommen worden. Allerdings holen die Gegner auf.

63 Prozent der Befragten hätten am 5. September 2021 Ja gesagt zur «Ehe für alle». Das zeigt die letzte Befragung des Meinungsforschungsinstituts gfs.bern. Damit hat die Vorlage etwas an Unterstützung verloren. Im Vergleich zur letzten Befragung hat die Ja-Seite 6 Prozentpunkte verloren und die Nein-Seite im Gegenzug 6 Prozentpunkte gewonnen. 2 Prozent sind weiterhin unentschlossen.

Die «Ehe für alle» wird dabei von den meisten als «überfälliger Schritt Richtung Gleichstellung» anerkannt. Im Nein-Lager überzeugt das Argument, dass einzig die Verbindung von Mann und Frau die Fähigkeit zur Weitergabe von Leben habe und daher zu schützen sei.

Abgelehnt wird die Vorlage von SVP-affinen und regierungsmisstrauischen Befragten sowie Angehörigen christlicher Freikirchen und Angehörige nicht-christlicher Glaubensgemeinschaften. Ausserhalb dieser Gruppe bestehe aber «ein breiter gesellschaftlicher Konsens» zur «Ehe für alle», so gfs.bern.

Ablehnung im Tessin höher

Die Haltung zur «Ehe für alle» sei in beschränktem Mass auch eine Generationenfrage. So zeigen sich über 40-jährige, männliche und tiefer gebildete Teilnahmewillige oder solche aus Haushalten mit mittleren Einkommen kritischer als andere Gruppen.

Auch regionale Muster lassen sich in der Umfrage erkennen. So ist die Ablehnung in der italienischsprachigen Schweiz höher als in den anderen Sprachregionen. In urbanen Gebieten ist die Zustimmung höher als in ländlichen Gebieten.

Obwohl die Gegner an Unterstützung gewonnen haben, geht gfs.bern dennoch von einer Annahme der Vorlage am 26. September aus. Ein Nein wäre eine «grosse Überraschung».

Nein zur «99%-Initiative»

Die zweite Vorlage, die «99%-Initiative», wäre von 57 Prozent der Befragten abgelehnt worden, 37 Prozent waren dafür, 6 Prozent unentschieden. Bei dieser Vorlage besteht ein deutlicher Nein-Trend, die Ja-Seite hat in einem Monat seit der letzten Befragung 9 Prozentpunkte verloren, die Nein-Seite gewinnt 12 Prozentpunkte.

Die zweite SRG-SSR-Trendbefragung zu den Volksabstimmungen vom 26. September wurde zwischen dem 1. und dem 9. September 2021 bei 13’261 Stimmberechtigten durchgeführt. Der statistische Fehlerbereich beträgt +/-2.8 Prozentpunkte. (mos)