Dritter Kandidat für das Zürcher Kirchenpflege-Präsidium

Die Kirchgemeinde Zürich brauche einen Generationenwechsel, ist der Theologe Michael Braunschweig überzeugt. Darum kandidiert der 35-Jährige nun als Präsident der Kirchenpflege.

Michael Braunschweig kandidiert für das Amt des Kirchenpflege-Präsidenten in der neuen Grosskirchgemeinde Zürich. (Bild: Susanne Hosang, artyco, Liebefeld)

Im November sind die Mitglieder der frisch fusionierten Kirchgemeinde Zürich aufgerufen, eine neue Exekutive zu bestimmen. Bereits fünf Monate vor der Wahl stehen nun drei Kandidaten für das Amt des Kirchenpflegepräsidenten fest: Neben Res Peter und Andreas Hurter, die ihre Hüte schon Mitte Mai in den Ring warfen, tritt nun auch der Theologe Michael Braunschweig an.

Braunschweig machte seine Kandidatur am 21. Juni via Social Media öffentlich. «Die neuen Strukturen sind aufgebaut – nun brauchen wir neue, unverbrauchte und kreative Kräfte, damit ein neuer Geist und frischer Wind Einzug hält in der Kirchgemeinde Zürich», schreibt der 35-jährige Theologe auf seiner Homepage.

Gegenüber ref.ch führt Braunschweig aus, was er damit meint: «Wir brauchen einen Kulturwandel: Weg vom Reform- und Projektmodus hin zu einer lebendigen Kirchgemeinde.» Die Kirche sei nicht einfach ein Verein, entsprechend müsse mehr darüber geredet werden, «welche Werte wir als Christinnen und Christen vertreten und wie wir in die Gesellschaft hineinwirken wollen.»

«Wir kommunizieren immer noch über Flyer»

Als konkreten Punkt, den die Kirchgemeinde angehen müsse, nennt Braunschweig die Digitalisierung. «Sie verändert unser Privat- wie auch unser Berufsleben, die Politik und die Kunst – nur nicht die Kirche. Hier kommunizieren wir nach wie vor über Flyer, Gemeindebeilagen und Zeitungsinserate.» Damit vergebe sich die Kirche eine Riesenchance, so Braunschweig.

Der 35-Jährige ist derzeit Postdoktorand am Institut für Sozialethik am Ethik-Zentrum der Universität Zürich und leitet ausserdem für die reformierte Berner Landeskirche den Aufbau des Projekts «Reformierte im Dialog». Von 2014 bis 2018 war er Präsident der Kirchenpflege der Kirchgemeinde Industriequartier in Zürich. In dieser Funktion war er auch an den Vorarbeiten zur Fusion beteiligt. «Ich bin ein Kirchenmensch durch und durch», sagt Braunschweig von sich selber.

Gewählt wird, wer das Volk überzeugt

Seit Anfang Jahr existiert in Zürich die grösste reformierte Kirchgemeinde der Schweiz mit rund 80’000 Mitgliedern. Geleitet wird sie aktuell von einem Übergangsgremium, dem der Präsident des ehemaligen Stadtverbandes, Andreas Hurter, vorsteht. Wer die reguläre Leitung übernimmt, entscheidet sich am 17. November. Speziell daran: Wählen wird nicht das – ebenfalls noch zu konstituierende – Parlament, sondern das Kirchenvolk.