Dreiviertel Milliarde Menschen hungern
Eigentlich wollten die Vereinten Nationen den Hunger auf der Welt bis 2030 besiegen. Corona und die Folgen des russischen Angriffskrieges in der Ukraine lassen das Ziel nun jedoch in weite Ferne rücken. Letztes Jahr litten im Durchschnitt 735 Millionen Kinder und Erwachsene an verschiedenen Formen des Hungers. Vor der Pandemie waren es knapp 615 Millionen Menschen.
Der Trend sei ernüchternd, heisst es im neuesten Report zur Lebensmittelsicherheit und Ernährung von verschiedenen Organisationen der UNO. UN-Generalsekretär António Guterres forderte «intensive und sofortige Anstrengungen weltweit». Ein baldiges Ende des Hungers bleibt aber illusorisch. Im Vorwort des Reports rechnen die Chefs der UNO-Organisationen mit 600 Millionen Hungernden im Jahr 2030. Aktuell zählt die Weltbevölkerung etwa acht Milliarden Menschen.
Seit Beginn des Jahrtausends war die Zahl der Hungernden für einige Jahre gesunken – zuletzt aber stieg sie wieder deutlich an. Gründe dafür sind Konflikte wie in Syrien oder im Jemen, die teils dramatischen Konsequenzen des Klimawandels auf die Landwirtschaft, die Corona-Unsicherheiten sowie der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine mit seinen Folgen für die Getreideversorgung in ärmeren Ländern.
Die Statistiken sind dramatisch: 2,4 Milliarden Menschen und damit fast 30 Prozent der Weltbevölkerung hatten 2022 keinen regelmässigen Zugang zu Essen. Über 40 Prozent der Menschheit konnte sich gemäss Zahlen aus dem Jahr 2021 zudem keine gesunde Ernährung leisten. Afrika ist dabei am stärksten betroffen. Etwa jeder fünfte Mensch dort ist mit Hunger konfrontiert. Zum Vergleich: Weltweit ist es etwa jeder zehnte.
Auch Kinder gehören zu den grossen Leidtragenden. 2022 litten 148 Millionen Mädchen und Jungen unter fünf Jahren unter verzögertem Wachstum. 45 Millionen waren schwer mangelernährt. Immerhin gingen die Zahlen in den vergangenen Jahren leicht zurück. (sda/ pef)