Gleichstellung

Die Schweiz feiert die «Ehe für alle»

Persönlichkeiten aus Politik und Kirche haben heute das Inkrafttreten des neuen Ehegesetzes begrüsst. Unterschiedlich gross war derweil die Nachfrage auf den Standesämtern.

Ab 1. Juli dürfen sich auch schwule und lesbische Paare das Jawort geben. (Bild: Keystone / Michael Buholzer)

Es ist ein historischer Tag und ein Meilenstein in der Gleichstellung: Am Freitag, 1. Juli, ist in der Schweiz die «Ehe für alle» in Kraft getreten. Damit dürfen schwule und lesbische Paare offiziell heiraten. Entsprechend gross ist die Freude: Zahlreiche Stimmen aus Politik und Gesellschaft begrüssten das neue Ehegesetz.

«Heute ist der Moment, um unsere Liebe zu feiern», sagte Roman Heggli, Geschäftsführer von Pink Cross, der Dachorganisation der schwulen und bisexuellen Männer in der Schweiz, gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

«Heute macht die Schweiz einen wichtigen Schritt für die rechtliche Gleichstellung von Schwulen, Lesben und trans Menschen», liess sich der Zürcher Stadtrat André Odermatt (SP) in einer Mitteilung zitieren. Die Post würdigte den Tag des Inkrafttretens der «Ehe für alle» mit einer speziellen Briefmarke. Diese zeigt 30 Ballone in Regenbogenfarben, die zusammengeknüpft als grosses Herz in Richtung Himmel abheben.

Am meisten Eheschliessungen in der Stadt Zürich

Auch in kirchlichen Kreisen ist die Freude über das neue Ehegesetz gross. So zitierte die reformierte Zürcher Pfarrerin Sibylle Forrer auf Twitter einen Bibelvers aus Korinther 13.13: «Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei. Die grösste unter ihnen aber ist die Liebe».

Unterschiedlich gross war derweil die Nachfrage auf den Standesämtern. Am meisten schwule und lesbische Paare gaben sich am ersten Tag der «Ehe für alle» in der Stadt Zürich das Jawort: 24 Paare liessen ihre bestehende eingetragene Partnerschaft umwandeln, zwei schlossen eine neue Ehe.

Die am Freitag verfügbaren Termine seien innert kürzester Zeit ausgebucht gewesen, teilte die Stadt bereits Mitte Juni gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mit. Insgesamt erhielt das Stadtzürcher Zivilstandsamt bis anhin rund 250 Terminreservationen von gleichgeschlechtlichen Paaren. Dabei handelt es sich grösstenteils um Paare in eingetragener Partnerschaft, die diese in eine Ehe umwandeln möchten. Etwa 10 Prozent sind neue Heiraten.

Geringere Nachfrage in ländlichen Regionen

Ein ganz anderes Bild zeigt sich im Kanton Appenzell Innerrhoden: Dort habe sich bis anhin kein einziges gleichgeschlechtliches Paar gemeldet, das eine Ehe schliessen möchte, berichtete am Freitag die Sendung «Heute Morgen» von Radio SRF. Im Kanton Nidwalden hätten für den ganzen Monat Juli immerhin sechs Paare einen Termin auf dem Zivilstandsamt vereinbart.

Unterschiede zwischen Stadt und Land zeigen sich auch, betrachtet man das Bernbiet: Auf den sieben Standesämtern des Kantons Bern liessen am Freitag insgesamt 23 Paare ihre eingetragene Partnerschaft umwandeln oder heirateten neu. Auf dem Zivilstandsamt Bern-Mittelland liessen fünf Paare ihre eingetragene Partnerschaft umwandeln, drei heirateten neu, wie die Berner Kantonsbehörden mitteilten.

Auf dem Zivilstandsamt Biel-Seeland hatten sich sechs Paare angemeldet, um aus ihrer eingetragenen Partnerschaft eine Ehe zu machen, in Thun waren es fünf, in Langenthal drei. Bei den Zivilstandsämtern Berner Jura in Courtelary und Oberland Ost in Interlaken gab es demnach hingegen am Freitag gar keine solchen Termine. (sda/no)