Die Pionierinnen der Kirche feiern

Die erste Schweizer Theologiestudentin vor 100 Jahren und die ersten ordinierten Pfarrerinnen vor 50 Jahren: Ein Doppeljubiläum in Zürich erinnerte an die Pionierinnen an der Universität und auf der Kanzel.


Der 17. November war ganz den Frauen gewidmet. Die Theologische Fakultät der Universität Zürich und die reformierte Zürcher Kirche feierten das Jubiläum gemeinsam. Rosa Gutknecht kämpfte für die Zulassung als Pfarrerin, doch sie blieb ihr Leben lang Pfarrhelferin. Vor 100 Jahren, im Wintersemester 1913, nahm sie als erste Schweizerin das Theologiestudium auf. Sie habe viele Demütigungen erleiden müssen, so Kirchenrätin Irene Gysel in ihrem Vortrag.

Vier Jahre nach Gutknechts Tod, am 17. November 1963, wurden im Grossmünster zwölf Frauen für den pfarramtlichen Dienst ordiniert. Dies sei ein historischer Augenblick gewesen, meinte Gysel, denn ein paar Jahre zuvor war das politische Frauenstimmrecht deutlich abgelehnt worden. Die zwölf Apostelinnen, wie sie genannt wurden, haben das Kirchenbild verändert, so Gysel.

Für Elisabeth Maurer, Leiterin der Abteilung Gleichstellung der Universität Zürich, ist Rosa Gutknecht eine Pionierin. Sie meinte in ihrem Referat, dass es in der Gleichstellungsarbeit noch viel zu tun gebe. Ein Ziel beispielsweise sei, dass die Universität Zürich 25 Prozent Professorinnen habe, im Moment sind es 18 Prozent. Es müsse einen Strukturwandel an der Universität geben, damit die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gewährleistet werde. Die heutige Gleichstellungsarbeit schöpfe dabei ihre Kraft von den Pionierinnen.

Gedenken oder Feier?
Kirchenratspräsident Michel Müller fragte in seiner Ansprache im Grossmünster, ob es sich um eine Feier oder um ein Gedenken handle. Denn die Kirche habe 450 Jahre gebraucht, bis das Kirchengesetz eingeführt wurde, das die Wahl von Frauen ins Pfarramt ermöglichte. Dies sei bedauerlich. Es sei wichtig, den Fortschritt zu sichern, und er wünsche sich mehr Frauen als Leitende in Religionsgemeinschaften. Die Bildungsdirektorin Regine Aeppli blickte auf die lange Geschichte der Frauen zurück und verglich die Situation der Pfarrerinnen mit derjenigen der Lehrerinnen.

Einen ausführlichen Artikel lesen Sie dazu in der «Reformierten Presse» vom 22. November.