Rücktritt von Gerhard Pfister

«Die C-Frage war identitätsstiftend»

Gerhard Pfister tritt im Sommer als Präsident der Mitte zurück. Dem Zuger gelang die heikle Umbenennung der ehemaligen CVP. Danach stabilisierte er die Partei.

Im Sommer ist Schluss: Gerhard Pfister gibt die Leitung der Mitte-Partei ab. Der richtige Zeitpunkt für frische Kräfte sei gekommen, sagte der 62-Jährige am Dreikönigsapéro seiner Partei. Zuvor hatte der Zuger Nationalrat seinen Rücktritt in einem Interview mit den Tamedia-Zeitungen bekannt gemacht.

Dem am rechten Flügel der Partei politisierenden Pfister gelang es, die Partei zu reformieren. Der Prozess umfasste unter anderem die Fusion mit der BDP, professionelle Parteistrukturen und den Namenswechsel von «CVP» zu «Die Mitte». Mit der 2022 abgeschlossenen Reform schaffte es die Partei, die zunehmenden Stimmenverluste zu stoppen.

Er sagte, was er unter «christlich» verstand

Zu Beginn seiner Amtszeit hatte Pfister die Partei mit christlichen Werten und Islam-Kritik rechts-konservativer positionieren wollen, um SVP-Wähler zurückzugewinnen. Später rückte er davon ab und positionierte die Partei sozial-liberaler. Diesen Richtungswechsel begründete Pfister gegenüber den Tamedia-Zeitungen wie folgt: «Als ich die Partei 2016 übernommen habe, war die C-Frage identitätsstiftend. Man hat viel diskutiert, was unter «christlich» zu verstehen ist. Also habe ich öffentlich erklärt, wie ich das C definiere. Diese Wertedebatte wurde als Rechtsrutsch der Partei wahrgenommen. Das hatte ich aber gar nicht beabsichtigt.» Er habe dann gemerkt, dass das C als Hemmnis empfunden worden sei. «Viele dachten, sie könnten die Partei nicht wählen, wenn sie nicht katholisch sind und in die Kirche gehen. Deshalb begannen wir, stärker zu betonen, dass die CVP eine Zentrumspartei ist. Denn das war sie immer, das ist kein Wandel», sagte Pfister in dem Interview.

Langjährige politische Karriere

Der in Zug geborene Pfister politisiert seit 2003 im Nationalrat, wo er genau 20 Jahre später als Alterspräsident die neue Legislatur eröffnete. In der grossen Kammer ist Pfister unter anderem Mitglied der Staatspolitischen Kommission und der Aussenpolitischen Kommission. Davor sass er von 1998 bis 2003 im Zuger Kantonsrat, wo er 2001 ein Attentat überlebte. Von 1999 bis 2008 präsidierte er auch die damalige CVP-Kantonalpartei.

Pfister studierte Germanistik und Philosophie und war als Lehrer tätig, unter anderem im familieneigenen Internatsbetrieb, der 2012 seine Tore schloss. Aktuell ist Pfister Verwaltungsratspräsident und -mitglied mehrerer Unternehmen.

Zuletzt wurde er, dem Ambitionen auf einen Bundesratssitz nachgesagt werden, im Februar 2024 auf der Delegiertenversammlung in Schwyz für vier weitere Jahre als Mitte-Parteipräsident gewählt. (sda/ eba)

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