Das Heks schliesst kostenlose Rechtsberatung für sozial Schwache

Obwohl die Nachfrage gross ist, muss das Hilfswerk Heks seine kostenlose Beratungsstelle für sozial Benachteiligte in Aarau schliessen. Auch die Aargauer Landeskirche kann die Finanzierung nicht länger sichern.

Sozial Schwache, die sich rechtlich beraten lassen wollen, müssen künftig auf andere Beratungstellen ausweichen. Bild: Beratungsgespräch beim Heks. (Bild: Heks/Sabine Buri)

Für sozial Benachteiligte in den Kantonen Aargau und Solothurn entfällt die kostenlose Rechtsberatung. Das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz (Heks) sieht sich gezwungen, seine Stelle in der Stadt Aarau nach zehn Jahren auf Ende 2018 zu schliessen. Für die zukünftige Finanzierung fehlen Zehntausende Franken.

Zuvor suchte das Heks nach neuen Geldgebern für die Projektkosten von 163’000 Franken im Jahr, wie das Regionaljournal Aargau-Solothurn meldete. «Leider ist uns das nicht gelungen», sagt Heks-Mediensprecher Dieter Wüthrich gegenüber dem Magazin bref.

Aargauer Landeskirche bedauert Schliessung

Das Heks hat die Rechtsberatung hauptsächlich selber finanziert. Bisher hat einzig die Reformierte Landeskirche des Kantons Aargau das Projekt unterstützt. Laut Wüthrich habe das Heks die Kirche angefragt, ihren jährlichen Beitrag zu erhöhen. «Sie ist aber offenbar nicht in der Lage gewesen, das Programm in einem Masse mitzufinanzieren, dass das Heks es hätte aufrechterhalten können», sagt Wüthrich. Für das Hilfswerk selber sei es nicht möglich, die gesamten Kosten alleine zu tragen. Wegen vieler anderer laufender Projekte habe es eine Güterabwägung vornehmen müssen.

Die Reformierte Landeskirche Aargau bedauert die Schliessung der Beratungsstelle. «Hier trifft es Menschen, die sich nicht wehren können», sagt der ­Bereichsleiter Gemeindedienste, Jürg Hochuli. Rund 40’000 Franken pro Jahr stellte die Kirche dem Heks zur Verfügung. 10’000 Franken waren für die Rechtsberatung für Benachteiligte vorgesehen. «Uns war es leider nicht möglich, diesen Beitrag deutlich zu erhöhen, ohne dass andere Projekte hätten bluten müssen», sagt Hochuli.

Nachfrage nach Rechtsberatungen steigt

Nach wie vor unterstütze die Kirche allerdings eine weitere Rechtsberatungsstelle des Heks im Kanton Aargau mit jährlich 95’000 Franken. Und zwar jene für Asylsuchende.

Laut Heks sei die Schliessung der Stelle für in Not geratene Menschen besonders schade, weil die Nachfrage nach solchen Rechtsberatungen zuletzt immer grösser wurde. Die Stelle führte im vergangenen Jahr ingesamt 208 Gespräche.

Künftig werden sich Personen mit knappen finanziellen Mitteln oder ohne geregelten Aufenthaltsstatus anderenorts beraten lassen müssen. «Sie werden entweder auf andere Angebote zurückgreifen müssen oder zu einer privaten Rechtsanwältin oder einem Rechtsanwalt gehen», sagt Heks Sprecher Wüthrich. Sans-Papiers, also Menschen ohne gültige Aufenthaltsbewilligung, würden an die entsprechenden Stellen in den umliegenden Kantonen verwiesen.

Dieser Beitrag erschien erstmals in bref, dem Magazin der Reformierten.