«Coworking-Space» der Reformierten zieht vor allem Start-ups an

Seit einem halben Jahr bietet die Reformierte Landeskirche Kanton Zürich Büro-Arbeitsplätze zum Mieten an. Das Angebot «Blau10» kommt vor allem bei Start-ups gut an.

Im «Coworking-Space» «Blau10» sollen in Zukunft vermehrt kirchliche Mitarbeitende einen Platz finden. (Bild: zvg)

Anfang April eröffnete die Zürcher Landeskirche an der Blaufahnenstrasse ihren ersten «Coworking-Space». So werden Orte genannt, an denen sich verschiedene Personen ein Büro teilen, ohne dabei in derselben Firma zu arbeiten. Angesprochen waren Personen aus dem kirchlichen und weltlichen Umfeld, die in irgendeiner Form an einem sozialen Projekt arbeiteten. Ihnen stellt die Kirche gegen einen Jahresbeitrag Arbeitsplätze sowie die nötige Büroinfrastruktur zur Verfügung.

Eine erste Zwischenbilanz nach einem halben Betriebsjahr ergibt, dass der «Coworking-Space» der Landeskirche vor allem von Start-ups genutzt wird. Von den 28 zahlenden Mitgliedern der «Blau10»-Community arbeiten 19 selbständig oder in einem Start-up-Unternehmen, weitere sechs sind Studenten. Zudem haben sich drei Pfarrer in der Community eingeschrieben.

Gemütlich und persönlich

Eine, die die Atmosphäre im «Blau10» schätzt, ist die Unternehmerin Gabriele Kull. Mit ihrer Firma «future.camp» bietet sie Workshops zu nachhaltigen Lebensstilen an. Kull arbeitet regelmässig an der Blaufahnenstrasse. «Im Unterschied zu den grossen Anbietern ist es hier gemütlich und persönlich. Trotzdem kann man genauso viele spannende Kontakte knüpfen. Auch passt eine kirchliche Community gut zu unseren Themen», sagt sie.

«Blau10» wurde im Zuge der Umstrukturierung der Abteilung Kirchenentwicklung der Zürcher Landeskirche ins Leben gerufen. Einen Begegnungsraum für Menschen zu schaffen, die sich sozial engagieren, war das Hauptanliegen der Initianten. Im Blick hatten sie dabei von Anfang auch die kirchliche Basis. Mitarbeitende aus den Kirchgemeinden sollten hier einen Ort finden, wo sie sich mit Leuten aus anderen Gemeinden austauschen konnten.

Mehr als nur ein Arbeitsplatz

Mathias Burri, Leiter von «Blau10», ist mit der bisherigen Entwicklung zufrieden. «Zu uns kommen Leute, die nicht nur unternehmerisch, sondern auch sozial orientiert sind. Die Religionszugehörigkeit war für uns nie entscheidend.» Trotzdem hofft Burri, dass in Zukunft noch vermehrt kirchliche Mitarbeitende den Weg an die Blaufahnenstrasse finden. «Wir wollen noch mehr Menschen, die in Kirchgemeinden arbeiten, ansprechen.»

Doch egal ob kirchlich oder nicht: Wer im «Blau10» arbeiten will, muss sein soziales Engagement plausibel machen. Die Mitgliedschaft ist deshalb mit einem Bewerbungsgespräch verbunden. Da die Arbeitsplätze an der Blaufahnenstrasse deutlich günstiger sind als bei anderen Anbietern, besteht die Gefahr des Missbrauchs. «Wir mussten schon Bewerber abweisen, weil wir gemerkt haben, dass sie vor allem an einem günstigen Arbeitsplatz interessiert waren. Das ist uns zu wenig», sagt Burri. Entscheidend seien für sie das soziale oder kirchliche Engagement und das Interesse an der Community. (no)