Entscheidungsträger sollen sich ihrer Verantwortung in Wirtschaft und Gesellschaft mehr bewusst werden und gewissenhaft handeln. So lautete der Grundtenor der ersten Referate am 2. Forum christlicher Führungskräfte vom Freitagnachmittag, 28. März, in Bern.
«Natürlich braucht es marktwirtschaftliche Ziele. Aber als Unternehmer haben wir auch eine soziale Verantwortung», sagte Victorinox-CEO Carl Elsener gemäss Mitteilung der Veranstalter. Der unternehmerische Erfolg sei kein Selbstzweck, sondern diene dazu, Menschen zu unterstützen.
Dabei orientiere er sich am biblischen Grundsatz, in guten Zeiten Reserven zu bilden, um in magereren Jahren genug zu haben. Dadurch habe er auch nach den Terroranschlägen vom 11. September 2011 keine Mitarbeitenden entlassen müssen, obwohl die Krise sein Unternehmen besonders hart getroffen habe. Es brauche auch eine gewisse Bescheidenheit: «Wir sollten uns selber nicht zu wichtig nehmen, denn letztlich ist uns alles nur anvertraut. Wenn man sich dessen bewusst ist, gibt es keine Auswüchse und Übertreibungen.»
Ethische Reflexion nötig
Gemäss Finanzunternehmerin und Ex-Börsenchefin Antoinette Hunziker-Ebneter ist gerade in der Finanzwelt eine «ethische Reflexion» nötig. Dabei zeige sich immer deutlicher, dass Profitmaximierung und materieller Wohlstand nicht die prioritären Ziele der Menschen seien.
Die neuen Luxusgüter seien Ruhe, Sicherheit, intakte Natur, Freundschaften, aber auch Zufriedenheit und Sinn. Hunziker mache die Erfahrung, dass immer mehr Menschen ihre finanziellen Ziele mit ihren Werten in Einklang bringen und mit ihren Investments Sinn stiften wollen.
Sie zeigte Wege zu einem nachhaltigen Finanzsystem auf, das der Gesellschaft und der Umwelt dient und nicht Selbstzweck ist. Dazu gehören laut Hunziker offen gelegte Macht- und Besitzverhältnisse und nachvollziehbare Preisbildungsprozesse. Risiken dürften nur eingegangen werden, wenn sie verstanden und selber getragen werden können.
Vor einem Wahn bewahren£
«Nur freie Menschen können Verantwortung wahrnehmen», sagte Ralph Kunz, Professor für Praktische Theologie an der Universität Zürich. Verantwortung sei ein Ideal – aber: «Wir müssen uns daran erinnern.» Kunz erwähnte die Präambel der Bundesverfassung und spitzte deren Inhalt zu: «Das Wissen, dass wir nicht Gott sind, bewahrt uns vor dem Wahn einer totalen Selbstverantwortung.»
Christliche Verantwortung bedeute, Fehler zugeben zu können, anderen zu vergeben. Kunz: «Das ist nicht schwächlich. Es ist ein Leitsatz der Führung, vertrauen zu können. Führungskräfte wirtschaften nicht nur für sich. Christliche Werte wie Demut und Barmherzigkeit sind Orientierungspunkte für ein verantwortungsvolles Wirtschaften.»
Das 2. Forum christlicher Führungskräfte findet am Freitag, 28. März 2014, und am Samstag, 29. März, in Bern statt.