Es war die letzte Ansprache von Thomas Gottschall als Dekan der Reformierten Landeskirche Graubünden, und diese nutzte er gleich für eine klare Botschaft: «Die Bündner Kirche ist am Puls der Zeit und steckt zugleich in weitreichenden Veränderungsprozessen», sagt Gottschall gemäss einer Mitteilung der Reformierten Landeskirche Graubünden. Die Personaldecke werde aber dünner, Strukturen und Finanzen müssten neu diskutiert werden und immer wieder stünden Kirchgemeinden vor der Herausforderung, Kirche in einem weiteren, über einzelne Dörfer hinausgehenden Rahmen neu zu gestalten. «Nicht Selbsterhaltung, sondern Dienst!», redete Gottschall den Anwesenden ins Gewissen. Das entspreche dem Evangelium und sei auch für die Zukunft der reformierten Bündner Kirche wichtig.
Immer weniger Pfarrpersonen in Graubünden
Deshalb werde ein solcher Dienst an der Bevölkerung in Graubünden ausdrücklich gewünscht, sagt Gottschall, und weist auf das wuchtige Nein der Bündner Stimmberechtigten zur Abschaffung der Kultussteuer hin. Eine Initiative der Jungfreisinnnigen, über die im Februar dieses Jahres abgestimmt wurde. Die Landeskirchen seien Garant für Verlässlichkeit und Gleichbehandlung aller, zum Beispiel beim sozialen Engagement oder bei der Seelsorge in Krisensituationen. «Ein positives Zeichen», sagte Gottschall, «das lässt uns gestärkt an die Erledigung unserer Hausaufgaben gehen.» Eine solche Hausaufgabe sieht er in der personellen Herausforderung. Die Bündner Kirche müsse sich überlegen, wie sie ihre Pfarrpersonen halten könne. In den letzten Jahren haben überdurchschnittlich viele reformierte Pfarrpersonen ihre Stelle gewechselt oder haben den Kanton verlassen.
An der Synode in Castrisch nahe Ilanz sollen zwölf Pfarrpersonen neu in die Synode aufgenommen werden sollen. Sie werden sich allesamt der Synode mit Lebenslauf und einer Predigt vorzustellen. Die Aufnahmefeier findet am Sonntag um 8.30 Uhr in der Kirche Castrisch statt. Eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger für das Amt des Dekans wird am Montag gewählt.
Fledermäuse in Castrisch konvertierten zum Katholizismus
Umrahmt wurde die Eröffnungsfeier mit musikalischen Darbietungen von Marcel Solèr an der Orgel und Primarschülerinnen und Primarschülern der Dörfer Castrisch, Sevgein und Riein unter der Leitung von Gion Gieri Sgier. Der Kirchgemeindepräsident von Castrisch, Jakob Caviezel, erzählte zur Begrüssung, dass die Glocken im Turm mit über 600 Jahren zu den ältesten der Schweiz zählen würden. Auch war im Kirchturm bis 2002 die grösste Fledermauskolonie Europas zu Gast. Diese zog dann aber anlässlich einer Renovation aus – in den Turm der katholischen Kirche nebenan. «Schade», bemerkte Caviezel, und fügte mit einem Augenzwinkern an: «Ich habe aber das Gefühl, die kommen eines Tages zurück».