Krieg in der Ukraine
«Brücken der Hoffnung» soll ländliche Gemeinden ins Zentrum rücken
Das Wichtigste in Kürze
Was ist das Ziel des Projekts «Brücken der Hoffnung»?
«Brücken der Hoffnung» fördert Partnerschaften zwischen Schweizer und ukrainischen Kirch- und Dorfgemeinden, mit Fokus auf ländliche Regionen. Träger sind die reformierten Kirchen beider Basel, der Ukrainische Verein Schweiz und das Hilfswerk der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (Heks).
Warum stehen ländliche Gemeinden im Fokus?
Viele Dörfer in der Ukraine sind stark vom Krieg betroffen, erhalten aber weniger internationale Aufmerksamkeit. Kirchgemeinden unterstützen dort Binnenvertriebene und Angehörige von Gefallenen. Das Projekt will diesen Regionen gezielt Partnerschaften und Sichtbarkeit ermöglichen.
Wie ist die Zusammenarbeit organisiert?
Geplant ist ein Pilotprojekt mit fünf Schweizer Gemeinden. Ein vom Heks verwalteter Fonds finanziert Projekte, militärische Aktivitäten sind ausgeschlossen. Klare Strukturen, professionelles Matching und digitale Formate sollen nachhaltige kirchliche Zusammenarbeit sichern.
Für die einen ist es ein Senfkorn, für die anderen ein zartes Pflänzchen. Sicher ist: Beim geplanten Projekt «Brücken der Hoffnung» gehört Zuversicht zum Konzept. Ziel ist es, Partnerschaften zwischen schweizerischen und ukrainischen Kirch- und Dorfgemeinden aufzubauen. Das kann zu humanitärer Hilfe führen, im Vordergrund stehen aber zwischenmenschliche Beziehungen als Zeichen der Solidarität.
Ländliche Gebiete sind dabei im Fokus. «Gerade sie gehen oft vergessen», sagt Margarita Antoni vom Ukrainischen Verein Schweiz. Während grosse Städte internationale Aufmerksamkeit erhalten, fühlten sich kleinere Ortschaften häufig «im Stich gelassen». Dabei leisten Kirchgemeinden und Freiwillige dort laut Antoni Enormes: Sie nehmen Binnenvertriebene auf, unterstützen Familien, betreuen Kinder und begleiten Angehörige von Gefallenen oder Vermissten. Gleichzeitig seien die Gemeinden selbst stark vom Krieg betroffen.
Die Träger des Pilotprojekts sind die reformierten Kirchen beider Basel, der Ukrainische Verein Schweiz und das Hilfswerk der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (Heks). Ein Informationsanlass Mitte Februar in Muttenz stiess auf reges Interesse: 45 Personen aus zehn Gemeinden nahmen teil.
Geplant ist ein erster Versuch mit zunächst fünf Schweizer Gemeinden. In jeder soll eine Kerngruppe von mindestens drei Personen Verantwortung übernehmen. Ab Frühling könnten sie erste Kontakte knüpfen. Zudem ist vorgesehen, den Austausch unter den beteiligten Schweizer Gemeinden aktiv zu fördern. Treffen und Plattformen sollen helfen, Erfahrungen zu teilen und allfällige Konflikte zu diskutieren.
«Was gibt mir Halt?»
Die Idee zum Partnerprojekt entstand während eines Austausches der reformierten Kirchen beider Basel mit Ukrainerinnen und Ukrainern. «Es war ein Abend, um zuzuhören und zu fragen, wie man helfen kann», sagt Daniel Frei vom Pfarramt für Weltweite Kirche beider Basel. Dabei wurde deutlich, dass neben humanitärer Hilfe auch zwischenmenschliche Beziehungen gefragt sind.
Mit einer Baptistengemeinde in Odessa pflegt die Basler Thomaskirche bereits seit zwei Jahren eine Partnerschaft. «Es ist ein sehr persönlicher und niederschwelliger Kontakt», sagt Frei. Man habe – solange es möglich war – Erholungsaufenthalte in der Schweiz organisiert, sich gegenseitig Guetzli geschickt oder via Videocalls gegrüsst. «Das mag sich lächerlich anhören, aber schafft eine grosse gegenseitige Nähe.»
Entscheidend sei eine Begegnung auf Augenhöhe und der Wille zu gegenseitigem Lernen. «Wir können viel über Resilienz erfahren: Was gibt mir Halt, wenn alles düster scheint?» Auf ukrainischer Seite gehe es oft um den Kampf gegen das Vergessenwerden, sagt Frei. «Im Krieg verliert man Würde und Sicherheit. Menschliche Kontakte können enorm viel bedeuten.»
Das Heks ist über Marina Dölker, Programmbeauftragte für kirchliche Zusammenarbeit in Osteuropa und Nahost, schon seit Beginn involviert. Sie verweist auf frühere Partnerschaftsprojekte nach Osteuropa, die oft stark von einzelnen engagierten (Pfarr)Personen abhingen. «Sobald diese wegfielen, verlief vieles im Sand.» Heute brauche es tragfähigere Strukturen.
Dölker sieht «Brücken der Hoffnung» deshalb als Chance, ein zeitgemässes Modell zu erproben: mit klarer Struktur, befristeten Engagements und professioneller Begleitung. Verpflichtungen auf unbestimmte Zeit seien gerade für jüngere Generationen weniger attraktiv. Projektbasierte Formen entsprächen eher den heutigen Realitäten. Auch digitale Möglichkeiten erleichterten heute den Austausch.
Geld soll in Fonds fliessen
Ein sensibler Punkt ist der Umgang mit Geld. Einseitige Geldflüsse können Beziehungen belasten, so die Erfahrung von Dölker. Ein gemeinsamer Fonds, in den die Schweizer Kirchgemeinden einzahlen können, soll dieses Problem lösen. Ukrainische Partnergemeinden können sich mit konkreten Projekten um Unterstützung bewerben.
Heks übernimmt laut aktueller Planung die Verwaltung und begleitet die Umsetzung vor Ort mit einem eigenem Team. So soll Transparenz gewährleistet und der finanzielle Aspekt von der persönlichen Beziehung entkoppelt werden. Aktivitäten mit direktem militärischem Bezug sind laut Projektbeschrieb ausgeschlossen. Im Zentrum stehen kirchliche, soziale und gemeinschaftsstärkende Initiativen.
Der Ukrainische Verein Schweiz wird sich laut Antoni dafür einsetzen, dass insbesondere ländliche Gemeinden in Frontnähe, denen heute ein Unterstützungs- oder Partnernetzwerk fehlt, eine Chance zur Partnerschaft erhalten. Entscheidend für den Erfolg des Projekts ist ein sorgfältiges «Matching» von schweizerischen und ukrainischen Gemeinden.
Am Informationsabend wurden Leitfragen diskutiert: Soll der geistliche Austausch im Vordergrund stehen – etwa durch Gebetsanliegen oder Online-Schaltungen im Gottesdienst? Oder eher gesellschaftliches und humanitäres Engagement? Auch konfessionelle Aspekte spielen eine Rolle. Manche Gemeinden sind offen für ökumenische Partnerschaften, andere suchen die Nähe zur eigenen Tradition. In Einzelfällen können auch politische Gemeinden einbezogen werden.
Noch steht das Projekt am Anfang. Vieles ist geplant, manches muss sich erst bewähren. Doch das Interesse ist spürbar und die Initianten hoffen, dass aus dem Senfkorn ein grosser Baum als tragfähiges Netzwerk wächst. Sollte sich das Pilotprojekt bewähren, ist eine Ausweitung auf weitere Regionen der Schweiz denkbar.