Brot für alle kritisiert Schweizer Kautschuk-Konzern

Der luxemburgische Plantagenkonzern Socfin und seine Schweizer Tochterfirma Sogescol sollen laut dem evangelisch-reformierten Hilfswerk Brot für alle in Liberia in Menschenrechtsverletzungen involviert sein.


Am 20. Februar zeigte sich die Stiftung Brot für alle enttäuscht über die vorberatende Komission des Ständerates, die den Gegenvorschlag zur Konzernverantwortungs-Initiative verwässerte. Das Hilfswerk kündigte an, in dem Fall die Initiative nicht zurückzuziehen.

Nun nennt Brot für alle ein konkretes Beispiel, das die «Dringlichkeit der Initiative zeigt», wie das Hilfswerk in einer Mitteilung am 21. Februar schreibt.

Im westafrikanischen Liberia hat der luxemburgische Socfin-Konzern seine Kautschuk-Plantagen erweitert, um diesen über die in Freiburg ansässige Tochterfirma Sogescol an den Markt zu bringen. Für die Dörfer im Umfeld der Plantagen hatte die Expansion laut Brot für alle «verheerende Folgen». Ein Bericht der Stiftung beschreibt Verstösse gegen Landrechte, Vertreibungen und Gewalt.

Sorgfaltspflicht verletzt

Beim Ausbau der Plantagen haben gemäss des Berichts zahlreiche Menschen ihr Agrarland verloren, Wälder oder Gräber seien zerstört worden, der Zugang zu Wasser habe sich verschlechtert. Drei Dörfer mussten gar weichen, weil Bagger Pflanzungen zerstörten und die Anwohner eingeschüchtert worden seien.

Frauen berichten zudem, sie seien wiederholt sexueller Gewalt durch Subunternehmer und teilweise auch durch Sicherheitsleute der Plantagen ausgesetzt gewesen. Die SRF-Sendung Rundschau dokumentierte in einer Recherche vor Ort die Folgen des Plantagenausbaus.

Beim Kauf der Plantagen soll der Sofcin-Konzern gemäss des Brot für alle-Berichts die Sorgfaltspflicht verletzt haben. Der Konzern hätte prüfen müssen, ob der Ausbau der Plantagen traditionelle Landrechte verletzt.

Schweizer Tochterfirma sei mitverantwortlich

Brot für alle macht deshalb Schweizer Tochterfirmen des Sofcin-Konzerns mitverantwortlich für die Menschenrechtsverletzungen, da «praktisch der gesamte Kautschuk Socfins aus Liberia über die in der Stadt Freiburg ansässige Tochterfirma Sogescol gehandelt wird».

Zudem würde sich Socfinco, eine weitere in Freiburg sitzende Tochterfirma, um Manangement und Nachhaltigkeitsberatung der Plantagen kümmern. «Die Schweizer Firmen haben damit entscheidenden Einfluss auf die Plantagen-unternehmen», schreibt Brot für alle. Der Sofcin-Konzern wies die Vorwürfe gegenüber Medien stets zurück.

Laut Brot für alle zeige das Beispiel, das «freiwillige Standards und Massnahmen nicht ausreichen, um die Rechte der Menschen vor Ort zu schützen». Deshalb brauche es die Konzernverantwortungs-Initiative, die Schweizer Unternehmen und deren Tochterfirmen gesetzlich verpflichtet, auch bei Geschäften im Ausland Menschenrechte und Umweltstandards einzuhalten. (mey)