Brasilien

Lula gewinnt – Bolsonaro erkennt Wahl nicht an

Amtsinhaber Lula da Silva hat die Präsidentschaftswahl in Brasilien gewonnen. Er setzte sich gegen den rechten Herausforderer Flávio Bolsonaro durch – doch der will das Ergebnis nicht anerkennen.

Amtsinhaber Lula da Silva hat die Präsidentschaftswahl in Brasilien für sich entschieden. Bei der Stichwahl am Sonntag (Ortszeit) bekam Lula 51,8 Prozent der Stimmen. Sein Herausforderer Flávio Bolsonaro erhielt nach Angaben des Obersten Wahlgerichts 48,2 Prozent.

Der ehemalige Gewerkschaftsführer Lula, der am Dienstag 81 Jahre alt wird, soll am 3. Januar seine vierte und letzte Amtszeit antreten. In der ersten Abstimmungsrunde am 4. Oktober hatte er noch zwei Prozentpunkte hinter Bolsonaro gelegen. Der Erfolg Lulas ist der erste Wahlsieg der Linken in Lateinamerika nach einer Reihe von Erfolgen von Rechtspopulisten in Chile, Kolumbien und Peru.

Flávio Bolsonaro erkannte das Ergebnis der Stichwahl nicht an und forderte die Annullierung. Als Grund nannte der rechtsgerichtete Politiker eine Entscheidung des Wahlgerichts, die Wahllokale zwei Stunden später zu schliessen als vorgesehen, weil es am Wahltag Ausfälle von Flügen und Störungen im Nahverkehr in mehreren Städten gegeben hatte.

Die beiden Kontrahenten um das Präsidentenamt hatten sich im Wahlkampf einen erbitterten Schlagabtausch geliefert, auch in sozialen Netzwerken. Die bislang dort eher schwach aufgestellte Linke holte unter der Anleitung des Abgeordneten André Janones, der über einen WhatsApp-Kanal mehr als acht Millionen Menschen zur Mitarbeit animierte, rasch auf.

Zugleich löste ein Auftritt Bolsonaros bei einer TV-Debatte heftige Kritik aus, da der 45-Jährige Fragen Lulas unbeantwortet liess und stattdessen auf Provokationen, Beleidigungen und Falschmeldungen setzte. Flávio Bolsonaro ist der älteste Sohn des wegen eines Putschversuchs zu 27 Jahren Haft verurteilten Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro.

Lula versprach im Wahlkampf, weiter soziale Ungleichheit und Armut zu bekämpfen sowie in Gesundheit und in Bildung zu investieren. Kurz vor der Stichwahl verabschiedete der Kongress die Abschaffung der Sechs-Tage-Woche und bestätigte das Verbot von Online-Wettplattformen, zwei Erfolge für den Präsidenten. (epd/ no)

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