Franz Werner Schäfer wurde 1921 in der Nähe von Basel geboren. Er wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Als Zwölfjähriger besuchte Schäfer erstmals die methodistische Sonntagsschule, später ermutigten ihn Menschen aus seiner Gemeinde, Pfarrer zu werden. Von 1940 bis 1945 absolvierte er ein Theologiestudium am Seminar der Basler Mission. Es folgten kurze Dienstzeiten in Bern, Signau-Grosshöchstetten und Baden, dann die Ordination zum Diakon und zum Ältesten. 1951 wurde ihm der deutschsprachige Gemeindebezirk von Lausanne zugewiesen, der während seiner Dienstzeit zu neuem Leben erblühte.
1959 wurde Franz Schäfer zum Distriktsvorsteher in der Methodistenkirche in der Schweiz berufen. Als 1965 ein neuer Bischof gewählt werden musste, fiel die Wahl auf Franz Schäfer. Damals lag bereits die weltweite Vereinigung der Methodistenkirche mit der Evangelischen Gemeinschaft in der Luft. Franz Schäfer sah sich zunächst als «Übergangsbischof» für die Kirchenvereinigung. Es gelang ihm, bei den Vertretern der kleineren Evangelischen Gemeinschaft Vertrauen für einen gemeinsamen Weg als Evangelisch-methodistische Kirche aufzubauen. 1973 wurde Schäfer auf Lebenszeit wiedergewählt.
Authentisch und respektvoll
Bischof Franz Schäfer wurde in seinem Dienst zu einem Grenzgänger zwischen verschiedenen Weltanschauungen. Die bischöfliche Aufsicht wurde ihm auf seinen Reisen in die Länder Nordafrikas und des kommunistischen Ostens oft erschwert. Das hinderte ihn nicht daran, immer zuerst die Menschen zu sehen. Er begegnete ihnen authentisch, respektvoll und mit Wertschätzung. Dadurch gelang es ihm, Brücken zu bauen, und dafür wurde er geschätzt und geachtet.
Auch für die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen methodistischen Kirchen und die Ökumene engagierte er sich. Er förderte die Zusammenarbeit unter den Missionsbehörden und unter den Kirchenleitungen der methodistischen Kirchen in Europa. Er übernahm verschiedene Aufgaben im Weltrat Methodistischer Kirchen, wirkte im Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund und setzte sich für die Gründung der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in der Schweiz ein.
Noch im Ruhestand, den er 1989 antrat, nahm er Anteil an der Entwicklung seiner Kirche. Er blieb den Menschen in seiner von Güte und Freundlichkeit geprägten Art zugewandt. Am 14. Juli 2016 ist Franz Schäfer im Alter von 95 Jahren gestorben.
Ein Gottesdienst in Gedenken an Franz Schäfer wird am 8. August 2016 um 14 Uhr im Zürcher Fraumünster stattfinden.
*Patrick Streiff ist Bischof der Zentralkonferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche von Mittel- und Südeuropa.