Das rund 750 Jahre alte Anwesen, das heute zur deutschen Stadt Rheinfelden (Baden) gehört und am Rhein gegenüber der Schweiz liegt, hat als Tagungs- und Begegnungsstätte der Evangelischen Landeskirche in Baden über 40 Prozent Schweizer Gäste, wie Verwaltungsleiterin Petra Rieckmann sagt.
Es sind Kirchenchöre und Kirchgemeinden aus einem Gebiet bis Schaffhausen, Zürich, Bern und Basel, die zur Retraite in die alten Gemäuer kommen, aber auch «profane» Gäste wie Basler Pharmakonzerne. Bis zum 31. Dezember wird Rieckmann auf Schloss Beuggen noch Gäste empfangen können – was danach kommt, weiss sie nicht.
Seit 1983
Dekanin Bärbel Schäfer betont die «spirituelle und historische Atmosphäre» in Beuggen: «Die Schlossanlage ist und bleibt ein Juwel.» Dennoch sei der Substanzerhalt «langfristig für die Kirche nicht mehr tragbar». Schäfer ist Dekanin des Kirchenbezirks Markgräflerland mit Sitz in Lörrach. Gemeinsam mit dem Kirchenbezirk Hochrhein mit Sitz in Waldshut-Tiengen ist ihr Bezirk für Beuggen zuständig. 1983 übernahm man das Schloss und baute es bis 1989 um.
2005 konnte die Tagungsstätte eine erste geplante Schliessung abwenden. 2015 entschied die Landessynode jedoch endgültig, das Schloss zu verkaufen. Auch Schäfer kann noch nicht sicher sagen, welche der kirchlichen Angebote über 2016 erhalten bleiben werden. «Wir haben die Zusage, dass eine kirchliche Nachnutzung möglich ist», sagt die Dekanin. Der zukünftige Eigentümer Kai Flender, Architekt und Generalplaner, hat das Anwesen bereits vor neun Wochen erworben; zum 1. Januar 2017 wird es offiziell an ihn übertragen.
«Vertrauliche Konzepte»
Die Dekanin betont das Dürfen: «Es wird die Frage sein, was wir uns als Landeskirche noch leisten können, wenn wir nicht mehr Eigentümerin sind und Miete zahlen müssen.» Flender will gegenüber ref.ch nicht verraten, was er mit dem Anwesen, das er selbst «gross wie ein Dorf» nennt, zu tun gedenkt. Bei seinen Ideen handle es sich um «vertrauliche Konzepte». Die Verhandlungen, welche Rolle kirchliche Dienstleister in Zukunft noch spielen werden, ziehen sich vermutlich noch bis in den Herbst.
Schweizer Tagungen weiterhin möglich
Laut Schäfer äusserte Flender grosses Interesse, dass die kirchlichen Angebote erhalten bleiben. Gegenüber ref.ch ist er weniger konkret und sagt nur, dass Hotelbetrieb und Tagungen «weiterhin ein Baustein meines Konzepts sein werden». Allerdings: «Bisher ist Schloss Beuggen eine kirchliche Tagungsstätte. Ab 2017 wird es ein Wirtschaftsbetrieb sein.» Insofern würden zwar auch für Schweizer Partner Tagungen weiterhin möglich sein: «Aber in welcher Grösse ist offen.»
Auch zu den «enormen baulichen Veränderungen», von denen Schäfer spricht, will Flender nicht mehr sagen. Was mit der alten Schlosskirche, die vor allem zur Auferstehungsfeier an Ostern sehr beliebt ist, passieren wird, ist laut Schäfer ebenfalls noch offen. Eventuell werde es auch eine neue Kapelle auf dem Schlossgelände geben. Flender ist seit 2006 bereits Eigentümer von Schloss Tiengen in Waldshut-Tiengen.
Die beiden Kirchenbezirke Markgräflerland und Hochrhein teilen sich die Stelle von Pfarrer Jörg Hinderer für die Erwachsenenbildung, die in Schloss Beuggen beheimatet ist. «Diese Stelle ist nicht an den Ort Beuggen gebunden», erklärt Schäfer. «Nicht jeder Kirchenbezirk hat ein Schloss», fügt sie hinzu. An einem Wegzug von Beuggen «geht die Erwachsenenbildung nicht unter».
Die Kommunität ist bis ins Jahr 2104 gesichert
Anders sieht es mit Pfarrer Martin Abraham aus, der die Studienleitung der Tagesstätte innehat. Seine Stelle hänge davon ab, ob die Tagungs- und Begegnungsstätte weiterhin in Schloss Beuggen verbleibe. Recht sicher ist hingegen der Verbleib der ökumenischen und geschlechtergemischten Kommunität Beuggen, die auf der Anlage seit 2005 für 99 Jahre in Erbpacht bewohnt.
Die dritte Partei in Schloss Beuggen ist eine Einrichtung der Diakonie für Kinder und Jugendliche. Darüber hinaus vermietet die Tagungssstätte Wohnungen und Büros für das Haus der Kirchenmusik, die erwähnte Studienleitung von Pfarrer Abraham und für «Mission und Ökumene» (entspricht «Mission 21» in der Schweiz). Sie alle «können nicht existieren ohne Tagungsstätte», so Verwaltungsleiterin Petra Rieckmann.
Tagungsstätte: www.schloss-beuggen.de