Berner Kirchen feiern lieber in der Altstadt als im Fussballtempel

An der Sommersynode der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn gab es wenig zu diskutieren und zu kritisieren. Besonders viel Lob gab es für das redimensionierte Kirchenfestprojekt «Doppelpunkt 21»: Es soll im September 2017 in der Berner Altstadt und nicht im Stade de Suisse steigen.

An der Sommersynode im Berner Rathaus lief es wie am Schnürchen - die Synodalen waren in fast allem einer Meinung.
An der Synode im Berner Rathaus lief es wie am Schnürchen – die Synodalen waren in fast allem einer Meinung. (Bild: Peter Schmid)

Die Berner Synodalen tagten äusserst zielstrebig und effizient. Nur einen Tag gaben sie sich – und kamen durch.  Die meisten der 17 Traktanden gaben wenig zu reden. Nach einer wunderbaren musikalischen Eröffnung durch die liberale Fraktion schienen sich die gut 170 Anwesenden in fast allem einig.

Kirchenfest: Weniger ist mehr…

Erfreulich war insbesondere Traktandum 5, der Stand des grossen Kirchenfestes «Doppelpunkt 21». Mit dem Fest soll der Restrukturierungsprozess «Kirche Vision 21» ein feierliches Gesicht bekommen. Noch in der Synode vom Dezember 2015 erteilten die Synodalen der Projektgruppe eine herbe Absage: Der für das Fest veranschlagte Betrag von 800’000 Franken sei zu hoch, die angepeilten 20’000 Besucher unrealistisch und der Durchführungsort – das Stade de Suisse – zu gross, zu teuer und sowieso zu weit ab vom Schuss.

Sie forderten die Projektleitung auf, die Kosten zu halbieren und das Fest auf 10’000 Besucherinnen zu redimensionieren. Wie sich zeigte, hatten die Verantwortlichen ihre Lektion gelernt und das Projekt gründlich überarbeitet: «Ziel ist noch immer ein fröhliches, breit angelegtes Fest», erklärte der projektleitende Synodalrat Iwan Schulthess.

Im Anschluss an die Wintersynode hatten im Januar zwei Thinktanks stattgefunden, in denen alle Synodalen ihre Ideen für das Fest einbringen konnten. Es soll nun am Sonntag, 10. September 2017, in der Berner Altstadt über die Bühne gehen. Anstelle einer einzigen Aktion sind dezentrale Feierlichkeiten vorgesehen, darunter Gottesdienste in verschiedenen Stadtkirchen, ein Risottoessen auf dem Waisenhausplatz sowie eine Feier auf dem Bundesplatz mit einem Chor, bei der es zur Uraufführung eines eigens komponierten Stücks kommen soll.

…dafür mit Massimo Rocchi

Und auch für Humor ist gesorgt: Der Komiker Massimo Rocchi soll einen Aussenblick auf die Kirche und ihre Vision 21 werfen: «Wir wollen eine Kirche, die Humor zeigt und Satire verträgt», so Schulthess.

Das neue Kirchenfestprojekt wurde positiv aufgenommen. Die Finanzkommision zeigte sich erfreut, dass die Beschlüsse der Wintersynode nahezu vollständig umgesetzt wurden: Das neue Konzept rechnet mit Ausgaben von noch 570’000 Franken. Der ursprünglich vorgesehene, heftig kritisierte Rückgriff auf den Hilfsfonds der Landeskirche wird nicht in Anspruch genommen. Das neue Festtagskonzept wurde deutlich angenommen.

Flüchtlinge, Heiratswillige, Lehrlinge, Migrationskirchen

Als externer Besuch war Karin Buchmann, die Geschäftsleiterin der Kirchlichen Kontaktstelle für Flüchtlingsfragen (KKF), zugegen. Letztere wurde vor gut 25 Jahren von den Berner Landeskirchen und der jüdischen Gemeinde ins Leben gerufen. Buchmann berichtete über die Tätigkeiten der KKF: Diese berät Asylsuchende, vorläufig Aufgenommene, aber auch Rückkehrer. Synodalrätin Pia Grossholz-Fahrni würdigte die KKF als «Erfolgsmodell», welche es schaffe, mit den «Irrungen und Wirkungen der Schweizer Asylpolitik Schritt zu halten». In der Kaffeepause kamen die Synodalen in den Genuss der positiven Auswirkungen der Migration: Die KKF offerierte orientalische Häppchen – die Gipfeli blieben daneben nahezu unangetastet.

Auch andere Traktanden behandelte man wohlwollend. So wurde etwa die verschlankte Form des Tätigkeitsberichts 2015 beinahe einstimmig genehmigt und allseits gewürdigt. «Die Mitarbeiterzeitschrift Ensemble stellt eine sinnvolle Entlastung dar», erklärte Synodalratspräsident Andreas Zeller die Straffung des Tätigkeitsberichts.

Unterstützung in der Höhe von jährlich 190’000 Franken erhält die landeskirchliche Präsenz an der Heiratsmesse «Marinatal» und an der BEA. Die Synode genehmigte einen entsprechenden Antrag bis und mit 2019. Des weiteren fördert «Refbejuso» neu das Mentoring-Projekt «Jobcaddie», welche Jugendlichen und jungen Erwachsenen bei der Integration ins Berufsleben unter die Arme greift, mit einem jährlichen Beitrag von 50’000 Franken. Und auch die finanzielle Unterstützung von Leitungspersonen in Migrationskirchen in der Höhe von jährlich 60’000 Franken von 2017 bis 2020 fand die Zustimmung einer Mehrheit der Synodalen. Damit soll der theologische Dialog zwischen Landeskirchen und ihr nahestehenden protestantischen Denominationen verstärkt, und die personell oft prekäre Lage der Diaspora-Kirchen entschärft werden: oftmals üben Pastoren ihren Pfarrberuf nebenamtlich aus. Mit dem finanziellen Zustupf, so Synodalrätin Pia Grossholz-Fahrni, könnten sie mehr Zeit in die Gemeindearbeit stecken.

Unternehmenssteuerreform wirft Fragen auf

Zu reden gab dann vor allem ein Postulat zu den Auswirkungen der Unternehmenssteuerreform III auf die Kantonalkirche und die Kirchgemeinden des Kantons Bern – diese sieht Steuersenkungen für Unternehmen vor. Zwar will der Bund die Steuerausfälle mit Kompensationszahlungen an die Kantone entschädigen. Allerdings ist nicht klar, ob und in welchem Umfang diese auch Kantonalkirchen und einzelnen Kirchgemeinden zu Gute kommen würden.

Die Steuerausfälle würden die Kirchgemeinden ab 2021 treffen. Das überwiesene Postulat fordert den Synodalrat unter anderem auf, sich einen Überblick über die Konsequenzen der Reform zu verschaffen, die Synode zu informieren und sich beim Bund für Kompensationszahlungen zuhanden der Kirchgemeinden stark zu machen.