Basler Münster sucht Zuhörerinnen

Das Basler Münster will für seine Besucher niederschwellige Gesprächsmöglichkeiten schaffen.


Die reformierte Kirche Basel-Stadt sucht Freiwillige, die sich berufen fühlen, anderen Menschen zuzuhören. In den letzten vier Wochen der Fastenzeit soll es im Basler Münster einen Zuhör-Dienst für die Besucherinnen geben, schreibt die Kirche in einem Facebook-Eintrag vom 5. Februar.

«Wir sehen immer wieder, dass Münster-Besucher das Gespräch suchen», sagt Vikar André Stephany auf Anfrage von ref.ch. Die Anliegen seien vielfältig. Manche suchen das Münster auf, weil sie sich einsam fühlen, andere wollen über ihre Alltagssorgen oder von schönen Erlebnissen berichten.

Man wolle für alle Anliegen da sein, sagt Stephany, der das Freiwilligen-Projekt organisiert. Den sogenannten «Listeners» begegnete er erstmals im englischen Durham, wo die anglikanische Kirche mit freiwilligen Zuhörern in der Kathedrale niederschwellige Gespräche anbietet.

«Der Dienst endet nach dem Gespräch»

Die Freiwilligen werden für ihre Aufgabe in Zusammenarbeit mit der Dargebotenen Hand geschult. In einem obligatorischen Kurs erlernen sie die Grundlagen der seelsorgerischen Gesprächsführung. Ausserdem werde die Teambildung unter den Freiwilligen gefördert.

«Ganz wichtig ist mir, dass die Freiwilligen auch lernen, sich abzugrenzen», sagt Stephany. Ihre Aufgabe beschränke sich auf ein unverbindliches Gespräch. Bei Bedarf können sie an weitere Stellen vermitteln, aber sonst hätten sie keine weitere Verantwortung. «Ihr Dienst endet nach dem Gespräch», fasst Stephany zusammen.

Zuhören auf Probe

Die Teilnahme am Vorbereitungskurs ist obligatorisch. Interessierte können sich bei der reformierten Kirche Basel-Stadt bis Anfang März bewerben. Vorausgesetzt wird eine stabile psychische Verfassung. Die Freiwilligen müssen gut kommunizieren können und sich berufen fühlen, «anderen Menschen ein offenes Ohr zu schenken», schreibt die Kirche in ihrer Anzeige.

Die Eignung der Freiwilligen werde in einem persönlichen Gespräch geklärt, sagt Stephany. Der Dienst werde vorläufig probeweise angeboten, um zu sehen, wie stark das Angebot genutzt wird. Danach entscheide die Kirche, ob der Zuhörerinnen-Dienst bestehen bleibt. (pd)