Baselbieter Verfassung vor dem Endspurt

Die Baselbieter Kirche will agiler werden. Dafür hat sie sich eine neue Verfassung gegeben, die nun einstimmig genehmigt wurde.


«Ein zukunftsweisender Entscheid» sei die neue Verfassung, sagte die Präsidentin der Synode Basel-Landschaft gemäss einer Mitteilung vom 22. November. Die alte Version aus dem Jahr 1952 wurde umfassend überarbeitet, gestrafft und sprachlich modernisiert. Denn die Verfassung soll heutigen Lebensumständen Rechnung tragen und die Kirche beweglicher machen, so die Absicht.

Auch wird ein Grundstein gelegt für die freie Wahl der Kirchgemeinde und die Bildung von neuen Kirchgemeinden, zum Beispiel durch Fusionen. Weiter soll die Zusammenarbeit innerhalb der Kirche gestärkt werden. Alle Beteiligten, kirchliche Dienste wie auch Ehrenamtliche, werden neu explizit genannt.

«Offene Ohren» des Kirchenrats

Im Juni hatte sich die Synode erstmals mit dem neuen Verfassungsentwurf befasst und noch einige Änderungen angebracht. So wurde ein umstrittener Paragraph, dass «Kinder evangelisch-reformierter Eltern von Geburt an Mitglied sind», nun in zweiter Lesung weggelassen. Die neue Verfassung wurde ausdrücklich gelobt: Der Kirchenrat habe bewiesen, dass er offene Ohren habe, so ein Synodaler. Der Verfassungsentwurf wurde denn auch einstimmig angenommen. Wenn ihn der Regierungsrat auch genehmigt, wird als nächstes die reformierte Stimmbevölkerung darüber abstimmen.

Der Kirchenrat beantragte zudem, obligatorische Schulungen zur Prävention sexueller Ausbeutung einzuführen. Alle Mitarbeitenden, die Kontakt zu Minderjährigen oder besonders Schutzbedürftigen haben, sollen daran teilnehmen müssen. Diese Idee wurde von vielen begrüsst, es sei wichtig, dass die Kirche ein klares Zeichen setze. Jedoch kritisierten einige Synodale, dass die Schulung obligatorisch sein soll, gerade auch für Mitarbeitende mit Kleinstpensen oder solche, die schon ähnliche Schulungen besucht haben.

Kirchenratspräsident Martin Stingelin verteidigte aber die Idee. Denn jede Grenzverletzung sei eine zu viel, die Kirche stehe in der Verantwortung. Die Synode stimmte dem Antrag danach einstimmig mit einer Enthaltung zu.

Abschied und stabile Zukunft

Für Martin Stingelin war es die letzte Synode als Kirchenratspräsident. Nach gut zehn Jahren tritt er ab. Er habe sich mit Weitsicht, Verstand und Herz nicht nur für die reformierte Kirche, sondern für die ganze Bevölkerung eingesetzt, sagte Synodepräsidentin Andrea Herger. Neuer Kirchenratspräsident wird ab dem 1. Januar 2020 Christoph Hermann.

An der Synode wurde auch das Budget verabschiedet. Der Voranschlag für 2020 rechnet mit einem leicht positiven Ergebnis von 90‘000 Franken. Laut Kirchenrätin Sandra Bärtscher sei die finanzielle Situation stabil, aber nicht entspannt. (mos)