Basel-Landschaft: Es braucht noch einiges an Gottvertrauen

Jahresberichte und Jahresrechnung waren die Haupttraktanden der Frühjahrssynode der Evangelisch-Reformierten Kirche Basel-Landschaft (ERK BL) am 8. Juni in Eptingen. Die Finanzlage bleibt angespannt, auf die Pensionskasse kommen neue Belastungen zu.

Angelobung des neuen Kirchenrats durch Hanspeter Thommen, Vizepräsident der Synode, in der Kirche Eptingen (von links: Martin Stingelin, Cornelia Hof, Stephan Ackermann, Sandra Bätscher, Niggi Ullrich, Matthias Plattner, Peter Brodbeck).
Angelobung des neuen Kirchenrats durch Hanspeter Thommen, Vizepräsident der Synode, in der Kirche Eptingen (von links: Martin Stingelin, Cornelia Hof, Stephan Ackermann, Sandra Bätscher, Niggi Ullrich, Matthias Plattner, Peter Brodbeck). (Bild: ERK BL/Damaris Stoltz)

Es wurde viel getan, es gibt noch viel zu tun, Geld ist keins da: Das ist die Bilanz der diesjährigen Frühjahrssynode der Baselbieter Reformierten. Das Motto der aktuellen Legislatur «Im Vertrauen auf Gott gemeinsam Zukunft gestalten» reiche sehr viel weiter als die kommenden vier Jahre, so Kirchenratspräsident Martin Stingelin. Viel zu diskutieren gab  es trotz einiger «unschöner Prognosen» nicht, die Anträge des Kirchenrats wurden fast alle einstimmig angenommen.

Dauerbelastung Pensionskasse

Was die Jahresrechnung angeht, steht die ERK BL laut dem verantwortlichen Kirchenrat Christoph Erhardt eigentlich «ganz positiv» da, das Ergebnis ist besser als budgetiert. Wenn nicht das durch eine Gesetzesänderung verursachte Loch in der Pensionskasse die Kirche weiterhin stark belastete. Noch zwölf Millionen Franken muss sie bis 2024 dem Kanton zurückzahlen. 2015 kam eine weitere Deckungslücke von 1,5 Millionen Franken dazu, und für 2018 zeichnen sich neue Belastungen ab: Da auch diese Pensionskasse bei der aktuellen Niedrigzinslage zu wenig Rendite erwirtschaftet, hat sie die den sogenannten technischen Zinssatz von 3 auf 1,75 Prozent gekürzt. Damit verbunden ist eine Kürzung der Rentenleistung, die die ERK BL für ihre nicht mehr aktiven Mitarbeiter so weit wie möglich abfangen will.

Die Arbeit des Kirchenrats zur Erreichung seiner Legislaturziele wurde allgemein gewürdigt: «Es ist in allen Bereichen viel geschafft worden», sagte Peter Gröflin von der Geschäftsprüfungskommission (GPK).  Langsamer als erwartet kommt nach Kirchenratspräsident Martin Stingelin die angestrebte Zusammenarbeit der Kirchgemeinden in Gang. Diese werde bei abnehmenden Finanzen immer wichtiger, um Energie für Neues freizusetzen.

«Ein paar Franken weniger in der Portokasse»

Bei einem einzigen Antrag des Kirchenrats empfahl die GPK die Ablehnung: Die Kirchgemeinden sollen künftig selber für die erhöhten Portokosten beim Versand des «Kirchenboten» aufkommen, weil der dafür angelegte Ausgleichsfonds der Kantonalkirche aufgebraucht sei. Dies würde für eine Gemeinde von 2’000 Mitgliedern eine Mehrbelastung von 800 Franken im Jahr bedeuten. Die Ablehnung der GPK zielte denn auch nicht primär auf den finanziellen Aspekt. Kritisiert wurde vielmehr, dass der Kirchenrat die Synode nicht über die fehlenden Mittel sowie zwei Statutenänderungen im Verein zur Herausgabe des Kirchenboten unterrichtet habe.

In der Synode stiess die Empfehlung der GPK auf Unverständnis. So sagte ein Synodaler, man solle sich wegen «ein paar Franken weniger in der Portokasse» nicht so anstellen. Mehrfach wurde die Bedeutung des Kirchenboten für den Kontakt mit kirchenfernen Mitgliedern betont. Martin Stingelin ergänzte, dass es sich bei den Vereinsstatuten um «Kleinständerungen» handele. «Sollen wir das jetzt jedes Mal der Synode vorlegen?», fragte er. «Wenn ihr das wollt, sagt es, aber beklagt euch nicht, wenn die Unterlagen dann noch dicker werden!» Der Antrag des Kirchenrats wurde denn auch grossmehrheitlich angenommen.

Keine Seelsorge mehr im Kinderspital

Mit Bedauern nahm die Synode zur Kenntnis, dass es im Universitätskinderspital beider Basel (UKBB) keine Seelsorge mehr gibt. Das UKBB hat den Vertrag mit den evangelisch-reformierten und römisch-katholischen Kirchen BL und BS auf Ende 2016 gekündigt. Die zuständige Kirchenrätin Cornelia Hof-Sippl sprach in ihrem Bericht von einem «Kulturwechsel» bei der Leitung des Spitals, die keinen Bedarf für seelsorgerliche Tätigkeit sehe und darum keine Seelsorger mehr im Haus haben wolle. Seelsorgende im UKBB stellten dagegen immer wieder fest, dass ihre Arbeit von Kindern und Angehörigen sehr geschätzt wurde. Die ERK BL will trotz entmutigender Signale vonseiten der Spitalleitung weiter verhandeln. Am wichtigsten sei, so Stingelin, dass «Eltern und Pflegepersonal wissen, dass sie einen Pfarrer rufen können».