Badener Disputation: Ein vergessenes Grossereignis

489 Jahre nach der Badener Disputation von 1526 wurde in Baden die Herausgabe der kommentierten, textkritischen Edition des Disputationsprotokolls gefeiert.

Markus Ries an der Feier in Baden.
Der Kirchenhistoriker Markus Ries an der Feier in Baden. (Bild: Frank Worbs)

Die Feier am Dienstag mit einem Vortrag von Markus Ries, Professor für Kirchengeschichte der Universität Luzern, fand mit über 160 Gästen am selben Ort wie die damalige Disputation statt: in der katholischen Stadtkirche Baden. Dies teilten die Aargauer Landeskirchen am 21. Mai mit.

Die Disputation sei ein Grossereignis der Reformationszeit gewesen und von entscheidender Bedeutung für den weiteren Verlauf der Schweizer Geschichte, wie es heisst. Es sei der letzte Versuch der damals noch mehrheitlich altgläubigen schweizerischen Orte gewesen, Zwingli und die reformatorische Bewegung zum Schweigen zu bringen.

Der grundlegende Dissens führte aber zum Scheitern dieses Versuchs. Obwohl die zahlenmässig überlegenen Vertreter des alten Glaubens die Schlussabstimmung über die kontroversen Thesen gewonnen hätten, ging die Reformation in Teilen der Schweiz weiter, zwei Jahre später mit der Einführung in Bern. Aus dem historischen Bewusstsein in der Schweiz sei die Badener Disputation aber weitgehend verschwunden.

Nur Sieger und Verlierer

Dass es an der Disputation um Macht anstatt um Dialog und Verständigung ging, machte Markus Ries, Professor für Kirchengeschichte an der Universität Luzern, in einem Referat klar. Die politischen Vertreter hätten aus eigenen Interessen die aufbrechende neue Glaubensbewegung unter Kontrolle zu bringen versucht. Aber eine Disputation sei kein Dialog mit Aussicht auf Konsens, betonte Ries, sondern schon von der Anlage her ein Wettkampf, der nur Sieger und Verlierer kenne.

 

Buchhinweis: Die Badener Disputation von 1526. Kommentierte Edition des Protokolls, herausgegeben von Alfred Schindler † und Wolfram Schneider-Lastin. Zürich, TVZ, 2015.