Atheisten mischen Berner Kirchendebatte auf

Die Berner Freidenker legen eine Studie vor, die zum Schluss kommt, dass die karitativen Angebote der Kirche weniger genutzt werden als angenommen. Gegenüber dem «Bund» verteidigt Kirchendirektor Christoph Neuhaus die Kirche als «Grundwasser der Gesellschaft».

Macht Kirche Sinn? Im Herbst 2014 demonstrierten Kirchennahe gegen Sparrunden des Kantons. Die Freidenker hingegen würden die Kirche finanziell gern ganz sich selbst überlassen. (Bild: Susanne Leuenberger)

55 Prozent von über 1000 Befragten kennen mindestens ein soziales Angebot der Landeskirchen. Doch nur 7 Prozent nehmen diese Dienstleistungen der Kirche auch wahr: Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die von den Freidenkenden Region Bern (FRB) vergangene Woche in Bern präsentiert wurde. Jorge Ananiades, der Co-Präsident der Atheistenvereinigung, spricht gegenüber den Medien von einer «grossen Diskrepanz» zwischen den wiederkehrenden Argumenten der Kirchen und den sozialen und karitativen Bedürfnissen der Berner Bevölkerung.

Staat zahlt soziale Angebote der Kirchen

Die Studie wurde vom Meinungsforschungsinstitut GFS Bern durchgeführt. Insgesamt 1011 bernische Stimmberechtigte nahmen an der telefonischen Befragung teil. Es handelt sich um die erste Studie, die die Berner Freidenker in Auftrag gaben. Dass die Studie letzten Donnerstag der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, ist kein Zufall: Vor einem Jahr hatte der Grosse Rat die Leitlinien für die Totalrevision des Kirchengesetzes verabschiedet, letzten Freitag legte der Regierungsrat den Gesetzesentwurf vor. Dieser sieht eine Entflechtung von Kirche und Staat vor. Die Pfarrer sollen nicht mehr beim Kanton wie bisher, sondern bei den Kirchen angestellt sein. Finanziell stehen die Kirchen damit kaum schlechter da: Ihre gesellschaftlich relevanten Leistungen werden über Leistungsverträge abgegolten.

Christentum gehört zur «DNA des Kantons»

Die Freidenker plädieren für eine weiterreichende Trennung der Kirchen vom Staat. Geht es nach ihnen, so sollen die Landeskirchen ihre Angebote künftig aus eigenen Mitteln finanzieren. Im «Bund» vom 17. September brach aber gerade Kirchendirektor Christoph Neuhaus (SVP) eine Lanze für die Kirche im Kanton Bern: Diese sei «das Grundwasser der Gesellschaft», das Christentum gehöre zur «DNA des Kantons».