Eine Premiere gab es auch: Zum ersten Mal wurde der Eröffnungsgottesdienst nach der «Aargauer Jubiläumsliturgie» gefeiert. Diese wurde von Sabine Brändlin, Mitglied der Geschäftsleitung der Landeskirche Aargau, und Gottfried Locher, Ratspräsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbunds (SEK), in Zusammenarbeit mit dem Dirigenten und Kantor Dieter Wagner entwickelt. Die traditionell gehaltene Liturgie in Form der Messe kann in drei musikalischen Stilen abgehalten werden: klassisch, poppig oder als Jodelmesse. Ein Abendmahl ist immer dabei. Es bestehen Bestrebungen, diese Liturgie auch für den SEK-Eröffnungsgottesdienst des Reformationsjubläums am 4. November 2016 zu verwenden, so Brändlin.
Zu harmonisch?
Zumindest zum Teil wahr wurde im geschäftlichen Teil die Befürchtung von Synodepräsident Roland Frauchiger, das Ganze könne «zu harmonisch» ablaufen. Zwar tat die Geschäftsprüfungskommission (GPK) ihr Möglichstes, um den Teufel im Detail zu finden, so ein paar Layout-Schlampereien im Jahresbericht. «Unschön» sei auch die vom Kirchenrat eigenmächtig vorgenommenen Budgetüberziehungen von insgesamt 50‘000 Franken für eine Erweiterung des kircheneigenen Sozialwerks der Heimgärten und in der Jugendarbeit. Aber «nicht matchentscheidend», so GPK-Mitglied Lucien Baumgaertner, und die Synode teilte diese Ansicht. Dazu trug auch die Begründung des verantwortlichen Kirchenrats Hans Rösch bei. Der Kirchenrat habe mit diesen Ausgaben einen «vernünftigen Entscheid» getroffen und «Führungsverantwortung übernommen», sagte er. Es sei nicht «gemauschelt und verschleiert, sondern alles offen dargelegt» worden.
Die Jahresrechnung schliesst mit einem Überschuss von knapp 97‘000 Franken, budgetiert war ein Defizit von 125‘000 Franken. Dieses Ergebnis sei zum grössten Teil durch «Kosteneinsparungen und hohes Kostenbewusstsein» erreicht worden, so der Kirchenrat. «Wir können mit diesem Resultat noch zufrieden sein», sagte Rösch, und die Betonung lag auf dem «noch». Denn auch wenn die Aargauer besser dastünden als andere Landeskirchen, sei die Zukunft nicht sorgenfrei. Die Kirchgemeinden leiden jetzt schon unter verringerten Steuereinnahmen. Aber: Die Lage sei immer noch «gut und stabil», und mit einiger Sorgfalt könnten auch diese «Wolken am Sommerhimmel» umgangen werden.
Migrationskirchen besser verstehen
Für eine ausführlichere Diskussion sorgte lediglich der Antrag des Kirchenrates, ein Forschungsprojekt der Basler theologischen Fakultät zu «Migrationskirchen in der Schweiz» mit insgesamt 120‘000 Franken über einen Zeitraum von drei Jahren zu unterstützen. Einige Synodale bezweifelten den Nutzen für die Landeskirche. So sagte Reto Löffel im Namen der Evangelischen Fraktion, dass die Landeskirche «mehr für Migranten als für ihre eigenen Mitglieder» mache. Migranten, die sich integrieren wollten, könnten doch genauso gut «zu uns in den Gottesdienst kommen». Aber die Mehrheit der Synodalen sah in diesem Projekt die Möglichkeit eines besseren Verständnisses dieser Gruppen, die in vielen Kirchgemeinden Gastrecht geniessen, und stimmte der Förderung mit 88 zu 36 Stimmen zu.
Im Festakt zum 150-jährigen Bestehen der Synode bezeichnete Regierungsrat Alex Hürzeler die Landeskirchen als «wichtige Partnerinnen in den Bereichen des menschlichen Zusammenseins und Stützen der Gemeinschaft» und bedankte sich im Namen des Regierungsrats für ihren Einsatz. Der Historiker Dominik Sauerländer hob in seinem Referat hervor, dass die mit einem eigenen Kirchenparlament vollzogene Trennung von Kirche und Staat im gemischtkonfessionellen Aargau wesentlich zum Religionsfrieden beigetragen habe. Und schliesslich wurde zur Feier des Tages noch zu einem ausgiebigen Stehlunch eingeladen. Der fand trotz einiger Sommerwolken unter freiem Himmel statt.