Abtreibung nach 20 Wochen soll in den USA strafbar werden

Das US-Repräsentantenhaus hat sich für einen Gesetzentwurf ausgesprochen, demzufolge Abtreibungen nach der 20. Schwangerschaftswoche unter Strafe gestellt werden sollen. 237 Abgeordnete stimmten für und 189 gegen das Vorhaben.


Ärzten, die nach der 20. Woche Abtreibungen vornehmen, drohen dem Gesetzentwurf zufolge fünf Jahre Gefängnis. Beinahe alle republikanischen Abgeordneten votierten dafür, fast alle demokratischen dagegen. Präsident Donald Trump befürwortet den Entwurf.

Das Repräsentantenhaus hatte bereits 2013 und 2015 ähnliche Gesetze beschlossen. Beide Male scheiterten die Vorlagen im Senat. Dort benötigen solche Gesetze die Zustimmung von 60 der 100 Senatoren. Der neue Entwurf des Repräsentantenhauses habe keine Chance, sagte die demokratische Senatorin Patty Murray der Washington Post.

99 Prozent der Abtreibung vor der 21. Woche

Befürworter des Verbots argumentieren, dass Föten nach der 20. Schwangerschaftswoche Schmerzen empfänden. Das Repräsentantenhaus habe «einen gigantischen Schritt» gemacht, um die «verabscheuenswürdigen» Spätabtreibungen zu stoppen, lobte der konservative Verband «Koalition für Glaube und Freiheit». Die Familienplanungsorganisation Planned Parenthood Action hingegen erklärte, der Entwurf sei Teil des konservativen Vorhabens, alle Abtreibungen zu verbieten. 99 Prozent aller Abbrüche würden vor der 21. Schwangerschaftswoche vorgenommen. Nach Darstellung des US-amerikanischen Verbandes der Frauenärzte können Föten frühestens nach 24 Wochen Schmerz empfinden. Zuvor habe der Fötus «nicht die physiologische Kapazität, Schmerz zu fühlen».

45 Prozent der Schwangerschaften ungeplant

Laut dem Familienplanungsinstitut Guttmacher Institute wurden in den USA im Jahr 2014 rund 926.200 Schwangerschaften abgebrochen. Die Abtreibungsrate sei mit 14,6 Abbrüchen je 1.000 Frauen zwischen 15 und 44 Jahren niedriger gewesen als jemals zuvor seit 1973. Rund 45 Prozent der Schwangerschaften in den USA seien ungeplant. 40 Prozent dieser Schwangerschaften endeten mit einer Abtreibung.

In der Schweiz können Frauen laut Schweizerischem Gesetz bis 12 Wochen nach der letzten Regelblutung abtreiben. Nach der eidgenössischen Volksabstimmung gilt seit 2002 in der Schweiz die sogenannte Fristenlösung. Ab der 13. Woche nach Beginn der letzten Regelblutung ist der Schwangerschaftsabbruch gemäss Gesetz nur ausnahmsweise möglich. Wenn beispielsweise eine schwerwiegende körperliche Schädigung oder eine schwere seelische Notlage von der Frau abgewendet werden kann. (epd/bat)