Abstimmungskampf um Thuner Johanneskirche in der Endphase

Ein Initiativkomitee will die Thuner Johanneskirche vor der Schliessung bewahren. Das Anliegen findet beim Kleinen Kirchenrat kein Gehör.

Eine Sanierung der Johanneskirche käme die Gesamtkirchgemeinde Thun teuer zu stehen.
Eine Sanierung der Johanneskirche käme die Gesamtkirchgemeinde Thun teuer zu stehen. (Bild: ZVG)

Der Kleine Kirchenrat der Reformierten Gesamtkirchgemeinde Thun empfiehlt, die Initiative «Pro Johanneskirche» gegen die Schliessung die Johanneskirche abzulehnen. Die Initiative, welche am 29. April vors Stimmvolk kommt, wurde vom Verein «Pro Kirchen Strättligen» ins Leben gerufen, nachdem der Grosse Kirchenrat im August 2016 die Schliessung des grössten Kirchenzentrums in Thun beschlossen hatte. Dieses müsste für über 5 Millionen Franken saniert werden – zu teuer, wie der Grosse Kirchenrat befand.

Diesem Argument schliesst sich nun auch der Kleine Kirchenrat an. In seiner Abstimmungs-Empfehlung vom 26. Februar schreibt er, eine Instandsetzung der Johanneskirche würde zu einer «massiven Verschuldung der Gesamtkirchgemeinde Thun» führen. Er beruft sich dabei auf den Finanzplan 2018-2022. Demnach wird die Gesamtkirchgemeinde Thun bereits im Jahr 2020 über keine flüssigen Mitteln mehr verfügen.

Bald keine Reserven mehr

«Mit einer Sanierung wären praktisch alle unsere Mittel aufgebraucht. Für die restlichen Gebäude der Gemeinde wäre dann nichts mehr vorhanden», begründet Willy Bühler, Präsident des Kleinen Kirchenrats, den Entscheid. Beim Entschluss des Grossen Kirchenrats sei es zudem nur darum gegangen, die Johanneskirche vom Verwaltungsvermögen ins Finanzvermögen zu überführen. «Erst danach können konkrete Vorschläge präsentiert werden, was mit der Johanneskirche geschehen soll.» Gemäss Bühler ist eine Umnutzung der Kirche die wahrscheinlichste Variante.

Initianten fordern Verzicht auf Schliessung

Gegen dieses Vorhaben lancierte der Verein «Pro Kirchen Strättligen» nach dem Beschluss des Grossen Kirchenrats im August 2016 eine Unterschriftensammlung. Am 12. April 2017 wurde die Initiative «Pro Johanneskirche» mit 1295 gültigen Unterschriften eingereicht. Die Initianten fordern, dass die Gesamtkirchgemeinde auf die Schliessung und den Verkauf der Johanneskirche verzichtet. Zudem solle eine umfassende Gebäudeentwicklungsstrategie für die Gesamtkirchgemeinde erarbeitet werden.

Mediation brachte keine Lösung

Eine Mediation zwischen den beiden Streitparteien ist inzwischen auf Eis gelegt worden. «Wir sind bereit, die Gespräche wieder aufzunehmen. Aber zuerst müssen wir jetzt abwarten, wie das Stimmvolk entscheidet», sagt Bühler.

Sollte dieses die Initiative ablehnen, können Verhandlungen mit möglichen Partnern für eine Umnutzung aufgenommen werden. Eine entsprechende Vorlage müsste dann wieder vors Kirchenparlament.

Der Verein «Pro Kirchen Strättligen» wollte vor seiner nächsten Sitzung am 6. März keine Stellung nehmen.