35’597 toten Migranten eine Stimme geben

Die Offenen Kirchen von Bern und Zürich rufen anlässlich des nationalen Flüchtlingstages zu einer Mahnwache auf: Während 24 Stunden sollen die Namen und Todesumstände von Menschen verlesen werden, die bei der Flucht nach Europa ums Leben gekommen sind.


«Tot aufgefunden auf einem in Seenot geratenen Boot südlich von Malta.»

«Von einem Auto angefahren und getötet beim Versuch, die Autobahn E40 in der Nähe von Mannekesvere, Belgien, in Richtung Frankreich zu überqueren.»

«Erstickt in einem Kühllaster in der Nähe von Zuwarah, Libyen.»

«Ertrunken, Fischer fanden die Leiche verhakt in ihrem Fischernetz in der Nähe von El Sarchal, Spanien.»

Die Liste des Netzwerkes «UNITED for Intercultural Action» ist ein Dokument des Grauens. Sie beinhaltet 35’597 Todesfälle seit 1993 – 35’597 Migranten, die beim Versuch nach Europa zu gelangen ums Leben gekommen sind. «Das ist traurig. Das ist ein Skandal», schreibt die Offene Kirche Bern dazu in einer aktuellen Medienmitteilung.

Anlässlich des nationalen Flüchtlingstages vom 15. und 16. Juni ruft die Kirche dazu auf, der Toten zu gedenken. Während 24 Stunden werden die Namen der Verstorbenen und die Umstände ihres Todes in der Berner Heiliggeistkirche sowie der Citykirche Offener St. Jakob in Zürich verlesen. «Beim Namen nennen», betiteln die Organisatoren die Aktion.

Kampagne für sichere Fluchtwege

Der Flüchtlingstag wird seit 1980 von der Schweizerischen Flüchtlingshilfe organisiert und soll die Bevölkerung für die Belange von Flüchtlingen sensibilisieren. Auch die Kirchen beteiligen sich jeweils daran. Das Thema der diesjährigen Kampagne lautet: «Sichere Fluchtwege retten Leben». Dabei geht es vor allem um die vereinfachte Einreise in die Schweiz über humanitäre Visa oder Resettlement-Programme für besonders schutzbedürfte Personen. (vbu)

Weitere Informationen: https://beimnamennennen.ch/