USA
Zweifel an Urteil: Gericht stoppt Hinrichtung
Nach Ansicht seiner Unterstützer ist Roberson ein unschuldiger Mann, der für ein Verbrechen zum Tod verurteilt wurde, das nicht stattgefunden hat. Roberson wurde 2003 als Mörder seiner zweijährigen Tochter Nikki Curtis verurteilt. Das Gericht war damals zum Schluss gekommen, dass das Mädchen an einem Schütteltrauma starb, bei dem durch gewaltsames Schütteln eine zum Tod führende Hirnverletzung entstanden sei. Wie die Zeitung «Texas Tribune» berichtete, haben Robersons Berufungsverteidiger inzwischen Expertenaussagen vorgelegt, wonach Nikki eines natürlichen Todes und auf Grund von unfallbedingten Ursachen starb.
Als Hinweis auf Robersons Schuld wurde beim Prozess dessen scheinbare Emotionslosigkeit gewertet. Robersons aktuelle Verteidiger argumentieren, dass die Autismus-Spektrum-Störung des Angeklagten damals nicht bekannt gewesen sei. Nach Darstellung der Direktorin des Autismusverbandes von Texas, Jacquie Benestante, hat Roberson sich nach Nikkis Tod nicht so verhalten, wie man es von einem trauernden Vater erwarte. Das sei aber «nicht das Zeichen von Schuld gewesen, sondern von Autismus».
Das Urteil steht nicht nur bei Menschenrechtlern in der Kritik. Laut der Direktorin der «Texas-Koalition zur Abschaffung der Todesstrafe», Kristin Houlé Cuellar, halten Politiker, Wissenschaftler und selbst der ehemalige Chefermittler des Falles, Brian Wharton, die Gerichtsentscheidung für einen Fehler.
Chefermittler Wharton erklärte kürzlich bei einer Veranstaltung in Texas, es sei «keine Schande, vergangene Fehler zuzugeben». Sonst mache man sich mitschuldig. Der republikanische Abgeordnete Brian Harrison sagte, er sei für ein neues Verfahren, gerade weil er die Todesstrafe befürworte. Todesstrafenbefürworter müssten besonders wachsam sein, dass potenziell Unschuldige nicht hingerichtet werden. Die Hinrichtung von Robert Roberson war für kommende Woche geplant. (epd/ no)