Da steht es jetzt also in der kalten Halle des Zürcher Hauptbahnhofs direkt unter dem blaugoldenen Engel von Niki de Saint Phalle, das Geschichtenmobil zum Reformationsjubiläum. Es hat schon einige Kilometer hinter sich gebracht, seit es am 3. November in Genf gestartet ist. Die Schweizer Reformationsorte sind mit Zürich abgehakt, auch in Prag und Wien war es schon. Bis es im Mai sein Ziel in Wittenberg erreicht, wird das Geschichtenmobil in seinem 37-Tonnen-Lastwagen noch Europa von Riga bis Dublin und von Bergen bis Rom durchqueren.
An jeder Station werden Geschichten zur Reformation vor Ort gesammelt, die die Besucher dann an interaktiven Bildschirmen verfolgen können. Für Zürich kann man zum Beispiel einen kleinen Film sehen, in dem ein junger Mann (Zwingli) mit altertümlichem Gewand und grossen Augen durch die Stadt von heute streift. Am Sternengrill kauft er gleich zwei Würste auf einmal und gibt davon eine halbe dem Bettler auf der Brücke.
Debatten und mehr
Neben dem Truck gibt es bis Samstagabend Musik, Geschichten, Theater und eine Minidruckerei zu bewundern. Ausserdem wird viel diskutiert, zum Beispiel über «Baustellen der Gesellschaft», unter anderen mit Stadtrat Raphael Golta und Peter Grünenfelder, Direktor von Avenir Suisse. Am Samstag spricht das Podium über «500 Jahre Reformation – reicht das?», mit von der Partie sind die Reformierte Pascale Huber, der Mennonit Riki Neufeld und der ICF-Pfarrer Manuel Schmid.
Schon am Freitagmorgen debattierten Regierungsrätin Carmen Walker Späh, Lino Guzzella, Direktor der ETH, und der Gastronom Rolf Hiltl über «Innovation in Wirtschaft und Bildung». Alle Beteiligten unterstrichen die Bedeutung von neuen Ideen und die wichtige Rolle, die die Reformation in diesem Zusammenhang gespielt hat. Hiltl bemängelte allerdings bürokratische Auflagen, die Innovationen unnötig verzögerten, und Walker Späh versicherte, alles ihr Mögliche dagegen zu unternehmen. Auf die Frage des Moderators, ob die drei 1522 beim Zürcher Wurstessen mitgemacht hätten, antwortete Walker Späh: «Wahrscheinlich schon.» Guzzella wäre sicher dabei gewesen, hätte aber um ein Kotelett gebeten. Und für Hiltl hätte es eine Tofu-Wurst sein müssen.
Zum Glück waren die Debattierenden gut eingepackt und hatten einen heissen Tee in Griffweite – auch in der Bahnhofshalle sind die Temperaturen zurzeit eisig. Das Gleiche gilt auch für das Publikum: Was geboten wird, ist sehens- und hörenswert. Aber nur in Mantel, Stiefeln und Handschuhen.
Programm 6./7. Januar Hauptbahnhof Zürich